Freitag, 29. November 2013

Über geschlagene Schlachten

Und dann schaue ich auf eine Höllenwoche zurück:
Die Diskussion mit dem arroganten Bankmenschen, der tote Hase, dem wir wegen Nachtfrost beinahe kein Grab schaufeln konnten, der Rebell, der schon wieder eine Nebenhöhlenentzündung hat, die drei Kolleginnen, die wegen Krankheit und OP für längere Zeit ausfallen (und die Arbeit, die irgendwie mitgemacht werden muss), der Schock über die Rechnung, die mir meine (Ex-)Anwältin für Dienstleistungen nach der Scheidung in Rechnung gestellt hat (deren Höhe ich nicht mal im Ansatz nachvollziehen kann), die Einlieferung eines Freundes in die Entzugsklinik und das Geradestehen vor diesem Halbgott in Weiß, der ihn nicht aufnehmen wollte, das früh abgebrochene bis dato schöne Wochenende in Metropolstadt, weil ich nicht mehr gegen mein Bauchgefühl leben kann, die Noteinlieferung einer Bewohnerin in die Psychiatrie, die ich mit herausgerissenen Zahnkronen und einer völlig zerfledderten Strickjacke in ihrem Zimmer vorgefunden habe, die Tatsache, dass nächste Woche ein bankbeauftragter Gutachter mein Haus begutachtet und auf links dreht .... I survive!

So heftig und kräftezehrend alles war und ist: mit jeder Schlacht, die ich schlage wachse ich mindestens gefühlte 5mm.

Das Ballastabwerfen stärkt mich mehr als mich die Angst vor dem Alleinsein erdrückt.
Und dieses Gefühl ist f*cking great!
Todesmutig habe ich den Weihnachtsnippes vom Speicher geholt und schön dekoriert - unabhängig davon, wie lange wir hier noch leben können.
Ich lebe im Hier und Jetzt und wer, wenn nicht ich, kann den Kindern sonst ein bißchen was wie Normalität und Ritual geben.
Ich werde mich mit meinen Kolleginnen, die zu meinen Freundinnen geworden sind, in den Bus setzen und den Weihnachtsmarkt am Bodensee genießen.
Noch vor Jahren hätte ich nicht mal mit dem Minimalstteil an Unsicherheit, mit der ich heute lebe, leben können.
Ich hätte mir vor Angst in die Hose gemacht.
Es gibt Momente, in denen ich einfach nur noch schreien und wüten könnte und im nächsten Moment erschreckt mich dann wiederum meine eigene Gelassenheit - und dann frage ich mich, ob ich gefühlskalt und abgebrüht geworden bin.

Das sind die Momente, in denen ich erstaunt feststelle, dass ich wohl schon weiter bin als ich mir eingestehen will und dass diese alten Verhaltensmuster wie zäher Kleister an mir kleben.

... und dann will ich nur noch jetzt und auf der Stelle bunte Blümchentapeten draufkleben.



10 Kommentare:

  1. Du hast eine wirklich bewundernswerte Power. Ich wuensche Dir, dass Du bald mal durchatmen kannst.

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  2. Augen zu und durch! Wenn nicht du, wer dann! Du schaffst das!

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  3. Blümchen???
    Find den Hai viel schöner!

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  4. Du bist stark und wenn Du in einem Jahr zurückdenkst wirst Du darüber lächeln. Du weißt doch alles wird gut.

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    1. Das habe ich mir schon vor Jahren gewünscht, aber wird irgendwann wohl so sein.
      Danke, Goldi!

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    2. Ich schließ mich an. alles wird gut!

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