Und mal wieder komme ich an einen Punkt in meinem Leben, an dem ich einbreche, obwohl endlich alles gut ist.
Ich darf im Haus bleiben.
Ich konnte meine Arbeitszeit aufstocken.
Die Kinder und ich ordnen uns völlig neu.
Mir geht es gesundheitlich gut.
Und plötzlich ist da Raum für Unverarbeitetes und Verdrängtes.
Das Leben im Schnellzug fordert seinen Tribut und will angeschaut werden.
Es kollidiert mit meiner Sehnsucht jetzt einfach nur leben und genießen zu wollen.
Was hat mich veranlasst mich im Spätsommer auf diesen Wahnsinn einzulassen?
Wider aller Vernunft und meiner Erfahrung?
Was???
Und wie kann man etwas loslassen, das sich an einem festhält?
Wie kann man jemanden vom Bootsrand stoßen, der den Rettungsring nicht will?
Und wie komme ich zu der Überzeugung, dass der finale Arschtritt das Beste für mich ist?
Wie erträgt man es dabei zuzusehen, dass ein Mensch sich so zugrunde richtet.
Und erträgt man es besser, wenn man die Augen verschließt?
Ich kann es drehen und wenden wie ich will - es bleibt schrecklich.
ja, es mag schrecklich sein, aber es ist verdammt noch mal nicht dein Bier!
AntwortenLöschenEr ist erwachsen, es ist seine Entscheidung, was er mit seinem Leben macht und was nicht.
Es ist nicht deine Aufgabe, ihn zu retten oder seine Probleme zu lösen.
ein PAL - ein Problem Anderer Leute
Mach es nicht zu deinem Problem und lerne, auch einmal wegzusehen.
Wenn man sich immer die Probleme anderer Leute reinzieht, bekommt man in seinem eigenen Leben nichts auf die Kette. Davon abgesehen bekommt man es auch nicht gedankt.
Kümmer dich um dein Leben, jetzt, hier und heute.
Lass mal was Hornhaut auf deiner Seele wachsen. Das macht dich nicht automatisch zu einem schlechten Menschen. Höchstens zu einem, der die Prioritäten im Leben erkennt.
Und dazu gehört eben auch, dass man sich abwendet und "sorry". die anderen selbst machen lässt.
Ich habe eine ähnliche Baustelle.
Ich erkenne die Prioritäten, denn sonst hätte ich nicht die letzte Verbindung gekappt, indem ich ihm den Schlüssel zurückgegeben habe.... der Schlüssel "für alle Fälle und falls es ihm schlecht geht".
LöschenDass ich selbst genug an der Backe habe und dass ich genug mit meinem eigenen Leben zu tun habe, habe ich ihm x-mal gesagt.
Ich behaupte nicht, dass ich mich weiterhin noch mitreinziehen lasse.
Es fällt mir nur sehr schwer loszulassen.
Und irgendwo müssen diese Gefühle einfach raus.
Dann halt hier.
Der Kopf weiss viel, der Bauch grummelt (noch).
Dir viel Kraft bei deiner Baustelle...
Hilfe annehmen will und muß gelernt sein. Es ist ein langer Prozess bei dem der Hilfesuchende sich öffnen muß. Der Helfende kann nichts unternehmen als 'dasein' und das schwierigste für den Helfenden ist zu erkennen ob er der Helfende ist oder nicht, denn der Hilfesuchende sucht aus. Der Helfende muß stark sein und seine eigenen Wünsche und Gefühle genau kennen um nicht in eine 'Abhängikeit' zu kommen.
AntwortenLöschenBist Du das oder ist es Mitleid das Dich antreibt?
Nein, es ist kein Mitleid, zumindest nicht viel.
LöschenUm die Tragweite zu verstehen, hätte ich mehr davon schreiben müssen. Das wollte ich aber nicht und somit ist es sehr schwer, mich nun zu verstehen.
Die Frage ist auch, ob ich konsequent dasein könnte, denn ich würde sowas sehr ernst nehmen und nicht zwischendrin "abspringen".
Somit habe ich mir die Frage gerade selbst beantwortet: Ich will definitiv in keine Abhängigkeit/Co-Abhängigkeit rutschen!
Liebe Lilly: Ich verstehe Deine Sorgen und dein Problem nur bestens.
AntwortenLöschenIch kann dir nur eine Erkenntnis mitgeben, die ich gefunden habe: "Ein Suchtkranker muss selbst wollen, will er nicht ist ihm nicht zu helfen" und jetzt kommt das brutale daran. Er wird sich nciht selbst von seiner Sucht befreien wollen, solange er noch einen "Rettungsanker" sieht. Einen Anker, der ihm noch ein wenig stabilität gibt. Der Anker bist anscheinend du.
So brutal es klingt, wirfst du in nicht ins offene Meer wird er nicht schwimmen lernen und an seiner Sucht zugrunde gehen und du mit.
Du schaust nicht zu wie er sich zugrunde richtet, wenn du ihm den Finalen Stoß vom Bootsrand gibt, du machst ihn lediglich auf die Notwendigkeit aufmerksam schwimmen zu lernen.
Er wird es dir danken!
Du bringst es auf den Punkt. Solange ich immer irgendwie reagiere (und sei es negativ oder wütend) .... solange bin ich da und greifbar.
LöschenIch weiß das theoretisch alles, aber es kostet unendlich viel Härte und Disziplin....
Das, was ich ihm sagen wollte ist gesagt und ich will mich nicht manipulieren lassen (auch, wenn das aus Verzweiflung geschieht).
Du hast bereits losgelassen, das ist die Vernunft. Das was Dich hadern lässt ist die Sehnsucht. Wir Menschen neigen dazu, die schönen Momente im Rückblick noch schöner zu sehen, die Gefahren der Zukunft zu verdecken und machen uns selber zu gerne vor, das wir das alles doch schon hinbekommen mit diesem kleinen Wort Liebe.
AntwortenLöschenEs ist ganz normal, das Du nun, wo die ganzen Kriegsplätze geräumt sind, Dich nach dem positiven Gefühl sehnst und dann alles "perfekt" wäre. Das kommt wieder lass Dir Zeit.
Du stösst niemanden vom Boot. Er ist schon im Wasser, denkt das er steht und den von Dir geworfenen Rettungsring kann er nicht sehen, will er nicht sehen. Die Sucht ist (noch) stärker und mit aller Kraft der Welt kannst Du ihn nicht halten, er wird Dich nur mit sich ziehen. Alles was Du tun kannst ist Deinen Blick woanders hin richten, Deine Kraft für Dich, Dein Leben und die Kids verwenden. Mit Deinem Boot anlegen und eventuell darauf hoffen, dass er selber wieder an Land kommt und ihr Euch eines Tages wieder begegnet.
Aber auch auf diese Hoffnung kannst Du nicht setzen.
Fühl Dich einfach mal feste gedrückt.
*seufz*
LöschenJa, ich idealisiere die wirklich schönen Momente, die wir hatten.
Ich vermisse das Gefühl, das er mir gab, dass er mich ....MICH.... wollte. Mit all meinen Macken und meiner Schrägheit.
Das hat mich wirklich beeindruckt.
Ich fühlte mich geborgen und dieses Gefühl hatte ich lange nicht mehr.
Geräumte Kriegsplätze....du bringst es auf den Punkt....
Und ja, er kann/will den geworfenen Rettungsring nicht sehen. Aus welchen Gründen auch immer.
Der Weg würde steinig werden...und schmerzhaft.
Ich trage Verantwortung für mich....und für die Kinder - und ich versuche das Segel zu spannen und weiterhin auf Kurs zu bleiben.
Ich danke dir!
Gern :-* und nu hör auf Dich ständig zu bedanken ich werde schon ganz rot ;)
LöschenOk...danke.... *lach*
LöschenNachtrag:
AntwortenLöschenDer finale Arschtritt ist die Vernunft, Du kannst sonst nur verlieren. Wie man es erträgt? Ich kann Dir sagen wie ich es ertragen habe und mir heute immer noch sagen muss: Er ist für sein Leben verantwortlich und er ist derjenige der seine Krankheit nicht sehen und behandeln will. Er ist erwachsen und ich bin nicht für sein Leben verantwortlich. Ich kann ihn begleiten, aber eben nur dann wenn er seine Krankheit behandelt und das nicht mit "ich fange morgen an" sondern nur dann wenn "ich bin trocken und lebe, lass uns wieder einen Teil vom Weg miteinander gehen" kommt. Ja es ist schrecklich, aber nur (verzeih mir die direkten Worte) weil Du Dich in den Sumpf ziehen lässt und Verantwortung für jemanden mittragen willst, der seine Verantwortung ungebeten auf Dich abwälzen will.
Schau Dir die Situation an. Was ist schrecklich? Das Du gerne helfen möchtest und die Vernunft Dir sagt, das es vergebens ist? Ist es wirklich Liebe? Ist es Verantwortungsgefühl? Was ist es? Das hilft :-*
Ich danke dir für deine offenen Worte.
LöschenDarüber muss ich nochmals in Ruhe nachdenken.
Harter Tobak das alles......
"Was ist es?"
Gute Frage.......muss nachdenken...