Montag, 16. Juni 2014

Easy-Summer-Living

Urlaub. Eine Woche. Nur für mich und für die nervenden Kinder, die auch Ferien haben und für die Steuererklärung und für den überfälligen Kundendienst von Paulchen Panda und für den 1000-seitigen Formularbogen "Energiepass" für die Villa und für die Berichte samt Fotos für unsere Altenheimzeitung und für das Referat über Validation, welches ich beim Angehörigenabend halten "darf".
Egal. Ich fühle mich beschwingt und irgendwie frei.
Ein "Ich-bin-über-den -Berg"-Feeling hat sich eingestellt. Trotz der ganzen Baustellen, die ich noch zu bewältigen habe.
Das erste Mal seit langem habe ich das Gefühl, dass annähernd etwas wie Ruhe einkehrt.
Der Große lebt hier beinahe heimlich und ignoriert mich immer noch. Ich ihn auch. Wollen wir mal sehen, wer hier den längeren Atem hat. Das ist Neuland für ihn, denn sonst war Mama immer diejenige, die wieder eingelenkt hat. Er, der sich von mir unabhängig nennt, geht heimlich an den Kühlschrank- natürlich nur, wenn er denkt, dass ich außerhäusig bin ... und da ich jetzt Urlaub habe kann es passieren, dass ich mich mal eben für ein Stündchen in mein Schlafgemach verziehe und ihn dann erwische, wie er mein Tiramisu schnabuliert.
Ganz ohne Mama geht`s eben doch nicht ;-)
Doch ich ignoriere auch das, mit einem inneren Grinsen, und bereite mir genüßlich einen Latte Macchiato direkt neben ihm.
Der Sommer macht alles leichter. Auch Mutter-Sohn-Konflikte.
Fast tut er mir schon leid, wenn er jeden Tag auf`s Neue den Wäscheständer nach frisch gewaschener Sohn-Wäsche inspiziert und unauffällig und deprimiert wieder abzottelt, weil wieder keine Boxershorts und Hemden auffindbar waren.
Ich gebe ihm noch einen Tag bis sein übergroßer Unterhosenvorrat sich dem Ende zugeneigt hat und er a.) entweder nachfragen muss, ob ich ihm bitte wieder die Wäsche mitwaschen könnte oder b.) mich fragt wie man die Waschmaschine bedient.
Was er nicht weiss: Für mich kommt nur b.) in Frage.

Prinzessin ist konsequent und ward seit über einer Woche hier nicht mehr gesehen. Man glaubt es nicht, was das ausmacht! Selbst, wenn jemand NICHTS macht (und das ist ja noch schwerer zu ertragen), verbreitet das eine negative Stimmung. Jedenfalls tut es mir gut sie nicht um mich zu haben.
Der Große ist übrigens auch selten bei ihr und ich frage mich ernsthaft, ob sie überhaupt noch zusammen sind.

Der Rebell ist momentan verhältnismäßig stressfrei. Das ist er aber immer, wenn Ferien sind und ich ihn nicht aus dem Bett prügeln muss.
Er zeigt sich erstaunlich kooperativ und hat sogar freiwillig die Werkstatt und den Keller aufgeräumt (wofür ich ihn natürlich ausgiebig belobhudeln und bauchpinseln muss, aber das ist es mir wert).
Ob für den momentanen Sinneswandel sein weggezogener Freund zuständig ist, der erst 3 Tage hier und Rebell dann 3 Tage bei ihm in der Großstadt geschlafen hat? Wahnsinn, wie Freund in diesem einen Jahr gereift ist. Er lernt Krankenpfleger und wir philosophierten fast eine Stunde auf dem Küchensofa über Katheterlegung, OP-Vorbereitung und Sterben.
Er scheint seine Aufgabe gefunden zu haben und er scheint auch dem Rebellen gut zu tun.
Ok, vielleicht tat auch die Party im Schwesternwohnheim sein Übriges.
"Mum, ich hab echt 5 ganz tolle Schwesternschnitten kennengelernt..."
Easy-Summer-Living auch beim Sohn.

Tochterkind durchleidet gerade ihren ersten Freundschaftsbruch und leidet. Und erzählt. Und wütet.
Sie erlebte eine wunderschöne Woche in der Ferne und traf sich mit anderen Cowgirls auf dem Bauernhof einer anderen Kuhreiterin. Dort wurden Erfahrungen ausgetauscht, Fotos gemacht, Halfter geknotet, gelacht und gespaßt.
Der erste komplett selbstständige Exkurs in fremde Gefilde.
Die beste Freundin war auch dabei. Und nun haben die beiden Streit. Weil Tochterkind nicht ungefragt ein Foto auf der Gruppenseite bei fa*ebook posten wollte, ohne die anderen zu fragen.
Die Freundin wirft ihr Unterwürfigkeit vor, dass sie keine eigene Meinung hat. Tochter sagt, dass das eben ihre Meinung IST und dass sie nicht ungefragt Fotos von anderen posten will.
Eine Lappalie. Aber leider kabbelten sich die beiden Sturköpfe so sehr, dass Freundin Tochterkind bei sämtlichen Onlinediensten blockiert hat. Autsch! Das tut weh.
Noch mehr weh tut, dass mein Cowgirl nun nicht mehr zu ihrer Lotte-Kuh kann, da diese ja im Stall von Freundin steht.
Die beiden sind dicke Freundinnen und ich bin mir sicher, dass sie wieder zusammenkommen, aber das glaubt Tochter halt im Moment nicht.
Weh tut es. So oder so.
Und meine Nerven kostet es. Und an mir klebt sie gerade wie Kaugummi und ist sehr anhänglich.
Kein Easy-Summer-Living für Tochter...

Und ich? Liebestechnisch? Alles okay. Alles gut so wie es ist.
Ich kann mir den Luxus leisten zu tun und zu lassen, was ich will.
Manchmal tu ich, manchmal lass ich. Obwohl ich lieber tu als lasse.
Klare Grenzen, die ich spüre.Und auch setze. Gnadenlos.
Auch Herrn Nacktfotoschicker gegenüber. Man mag es nicht glauben, aber dieser startet erneut einen Angriff. Es täte ihm leid und er habe sich x-mal entschuldigt dafür und er verstehe selber nicht, dass er es so versemmelt habe, diesen anfänglich so netten Kontakt.
Warum kapiert er einfach nicht, dass ich seinen Fahnenmast nicht mehr aus dem Kopf bekomme?!
Dass es mich verletzt hat?!
Dass ich mich diskriminiert fühlte?!
Dass er kein guter Freund von mir ist, dem ich durchaus verzeihen könnte und es dann wieder gut wäre?!
Warum begreift er nicht, dass er diesen Stellenwert in meinem Leben nicht hat?!
Und dass er mich mit jedem neuen Versuch noch wütender macht, weil ich mich ignoriert fühle?

Keine Rechtfertigungen meinerseits und keine Gnade.
Ich habe es verdient, dass man mich respektiert. Wer das nicht tut, fliegt. Ohne schlechtem Gewissen.
Einen Meilenstein dazugelernt.
Dem Bauchgefühl vertrauen und das Easy-Summer-Living-Gefühl genießen.

Und jetzt gehe ich zur Bank und zahle die allerletzte Rate an meine unfähige  Scheidungsanwältin.
Auch wieder ein Gefühl für Freiheit.
Und dann schnapp ich mein Gespartes, wirble durch die Möbelhäuser und suche mir ein schickes Sofa aus - eine Lümmel-Strickoase soll es sein.

Easy-Summer-Living.

4 Kommentare:

  1. YEAHHHHH!
    pssssst....will ja nich quengeln, aber......oder ist die Zeit schon wieder um????

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    1. Jaaa....steht noch in meinem Kühlschrank.......zu heiss zum Schicken.....

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  2. Das liest sich grad wirklich gut. Ehrlich. Auch trotz der Zwischentöne darin. Ich wünsch Dir, dass dieses Sommergefühl noch ein wenig länger anhält. Ein bisschen mehr länger.

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