Ich habe mir den Auszug meines großen Sohnes, dem Kind, welches mich zur Mutter gemacht hat, anders vorgestellt.
Vielleicht erinnert es an einen mittelmäßigen Hollywoodschinken, aber ich sah mich immer seufzend vor dem Haus stehen, das Kind hat sein Auto bis obenhin vollgepackt mit seinen Kleidern, den IKEA-Möbeln und meinen spendierten Geschirrtüchern und Tu*perschüsseln.
Ein inniger letzter Drücker mit dem Wissen, dass das Kind nun auf eigenen Beinen stehen kann und das Nest verlässt. Ein Lebensabschnitt geht zu Ende.
Das Kind hat sich abgenabelt.
Da ich keine Vorzeigefrau bin, mir der Hollywoodglamour fehlt und bei mir alles nicht in geordneten Bahnen verläuft, geschah der Nabelschnurcut unsanft: Mit einer schallenden Ohrfeige und einer Schlüsselabnahme.
Die Situation hat sich in letzter Zeit zugespitzt: Der große Sohn behandelte mich zunehmend ignoranter und herablassender. Dazu trug sicher auch der Kindsvater bei, der unablässig gegen mich hetzt und der in der Zeit, als der Mittlere im Krankenhaus lag diesen jeden Tag besuchte und sich als treusorgenden Vorzeigevater ausgab.
Ich brauche nicht erwähnen, dass der Kontakt zum Rebellen wieder auf ein Minimum reduziert wurde, als er wieder nachhause kam. Auch, wie seine Abschlussprüfung verlaufen ist, war für Ex nicht mehr von Interesse.
Der Große suchte durch diese belastende Krankheitssituation auch wieder vermehrt die Nähe zu seinem Vater - und fand sie. Und das hätte schön sein können, aber Primitivling von Ex kann wie gesagt das Manipulieren nicht lassen.
Ich hatte mit dem Großen heftige Kämpfe: Seit zwei Jahren sah ich nie einen Cent Kostgeld von ihm, er beteiligte sich so gut wie Null bei der Haushaltsbewältigung. Kurz und gut: Er lebte hier kostenlos, mit einem hervorragenden Bankerausbildungsgehalt, wie die Made im Speck.
Viel zu oft habe ich ihm erklärt, dass es mir finanziell als alleinerziehende Mutter mit 75%-Job im Sozialbereich nicht gerade prächtig geht.
Für den Großen habe ich nie einen Cent Unterhalt von Ex gesehen. Dass er diesen aufgrund des wirklich ansehnlichen Ausbildungsgehalt nicht zahlen musste, steht auf dem einen Blatt.
Auf dem anderen Blatt steht, dass er seinen Kindern eintricherte, ich würde mir von dem Unterhalt für die beiden Kleinen einen schönes Leben machen.
Anmerken muss ich an dieser Stelle, dass ich für beide nur den Mindestsatz bekomme.
Fuck that Shit! Ich bin in meinen Ansprüchen keine Luxusdiva und komme gut über die Runden, weil ich gelernt habe sparsam zu leben.
Nun ist der große Sohn also mit seiner Finanzassistentenausbildung fertig und hat sich einen netten Job bei der auszubildenden Bank ergattert. In naher Zukuft möchte er noch ein Studium dranhängen.
Die Ausbildung hat ihn sehr verändert oder besser gesagt, die in ihm schlummernden negativen Charakterzüge verstärkt. Das Hantieren und Jonglieren von Kapitalerträgen und Fonds haben ihn offensichtlich geistig abheben lassen.
Er war in letzter Zeit verstärkt herablassend und demütigend mir gegenüber. Fast hatte ich den Eindruck, dass ich und seine Geschwister ihm peinlich sind.
Es fanden viele, viele Gespräche statt. Wütende und zornige. Und so manche Nacht habe ich in`s Kissen geheult, weil mir mein eigenes Kind fremder als fremd ist. Das tut in der Seele weh.
Ich stellte ihm mehr als einmal ein Ultimatum, dass er mit fast 23 Jahren und dieser beschissenen Einstellung auszuziehen hat - und mehr als einmal wurde ich wieder weich und inkonsequent.
Vor zwei Wochen nun schien sich die Situation zu bessern. Ich legte Sohn mehrere Wohnungsangebote vor. Seine Wäsche wusch ich nicht mehr, aber wir sprachen wieder miteinander.
Ernst nahm er mich wahrscheinlich nicht. Kann ich ihm auch nicht mal zum Vorwurf machen, denn mir wurde schon die personifizierte Gutmütigkeit nachgesagt.
Am Sonntag vor 8 Tagen platzte die Bombe: Sohn rief hier an (er übernachtete bei seiner Freundin) und wollte seine kleine Schwester reden, was mich verwunderte und weshalb ich auch nachfragte, was er wolle.
"Das geht dich nix an!"
Nun, wenn er ansonsten ein inniges Verhältnis zu seinen Geschwistern hätte.... aber er fühlte sich ja nicht mal verantwortlich, als der Rebell vor Wochen aufgrund seiner Hirnhautentzündung im Bad umkippte und die kleine Schwester mir daraufhin im Altersheim anrief, dass ich sofort kommen soll.
Der große Sohn lag unbeirrt in seinem Zimmer und schaute fern.
Bezeichnend, dass meine Tochter ihn nicht um Hilfe bat...
Nun also wollte er seine kleine Schwester reden. Diese blickte völlig verwirrt ob dieser überraschenden Ehre und als ich dann den Grund für den Anruf erfuhr, krachte mir die Hutschnur: Sohn wollte mit kleiner Schwester, seiner Freundin, seinem Vater und dessen Freundin zum Essen gehen - und sie alle einladen.
Ich, die ihm kostenfrei und aus reiner Mutterliebe jahrelang Asyl gewährt habe, sollte in die Röhre gucken.
Es folte eine Nachricht über Whatsapp:
"Du musst dir mal überlegen, warum niemand dich einladen will, so übellaunig wie du drauf bist!"
"Ich setze dir eine Frist bis Ende des Monats. Dann bist du hier ausgezogen."
"Und du leckst mich noch heute am Arsch!"
"Und du ziehst SOFORT aus und gibst mir SOFORT den Haustürschlüssel!"
Fassungslos stand er gute 15 Minuten später vor mir und konnte es nicht fassen, als ich ihm den Haustürschlüssel abnehmen wollte. Er wehrte sich, wehrte mich ab und ich flog unsanft gegen den Türrahmen. Mein korrekter Sohn, der nie zuvor gegen mich körperlich anging drohte mir.
Da setzte es von mir eine Ohrfeige, die sich gewaschen hatte! Und sie tut mir bis heute nicht leid.
Irritiert verließ er mit ein paar Habseligkeiten den Ort des Geschehens, in der einen Hand Freizeitklamotten, in der anderen seine Bankeranzüge - und verließ mit lautem Rumms das Haus.
Ich war außer mir und hyperventilierte. Der Rebell setzte sich zu mir auf den Küchenboden, Tochter gesellte sich auch dazu.
"Super! Jetzt kann ich sein Zimmer haben!". Als sie das von sich gab, musste ich lachen. Es war ein undefinierbares Lachen, aber es hatte etwas sehr Erleichterndes.
Mein lieber hochnäsiger Sohn,
Ich lasse dich ziehen. Finde deinen Weg und vielleicht wirst du irgendwann erkennen, wie scheisse du dich mir gegenüber benommen hast.
Ich lass dir Zeit. Ich kann warten.
Ja, ich wünsche dir alles Gute.
Aber ich wünsche dir auch, dass dir ein rauer Wind um dein verwöhntes Näschen weht.
Allein im Leben zu stehen und einen eigenen Haushalt zu führen ist eine völlig neue, ernüchternde Erfahrung.
Aber bis dahin kommst du ja bei deinem Vater unter; auf dem Sofa schlafend, ohne jegliche Intimsphäre.
Ich wünsche euch beiden eine schöne Zeit ;-)
fuck's sake o.O
AntwortenLöschenrecht so. weg damit
*drück dich*
Der Knall musste sein.
LöschenJetzt ist die Luft irgendwie "gereinigt".
((Danke))
Puh!
AntwortenLöschenPuh!!!
Mir fehlen die Worte. Aber ich wünsche Dir und ihm, das er wach wird. Dich umärmel ich und sage nochmal das Du eine ganz starke tolle Frau und Mutter bist. :-*
Er hat mir nie verziehen, dass ich "die Familie kaputtgemacht habe"; das hat er mir auch schon so direkt gesagt.
LöschenEr ist ein Abbild seines Vaters: Alles muss in immergleichen Bahnen laufen. Neues wirft ihn aus der Bahn und macht ihm Angst.
Ich bin diejenige, die Gleichförmigkeit nicht ab kann, die immer mal wieder alles umkrempelt.
...und die das auch lebt.
Es musste irgendwann krachen.
Entschuldigt aber niemals, dass er mich so respektlos behandelt.
Schau, es gibt letztlich nur zwei Möglichkeiten. Es bleibt wie es ist oder er wird wach. Das kann dauern und bis dahin kann noch viel Schmerz auf beiden Seiten folgen. Er wird selber feststellen, wenn er nicht absolut nach dem Erzeuger kommt, das zum Ende einer Beziehung immer zwei gehören und irgendwann auch Dich verstehen. Wenn es nicht so ist, ist es traurig, aber Du hast noch zwei weitere Kinder und Du kannst Deine Kinder nur dann glücklich machen, wenn Du selber es bist und genau diesen Weg gehst Du jetzt. Ich glaube schlimmer als "Du hast die Familie kaputt gemacht" ist "warum hast Du uns die Kindheit so versaut und Dich erst getrennt als wir schon lange ausgezogen waren?" beonders dann, wenn Du selber all die Jahre unglücklich bist und nur etwas aufrecht hälst zum "Wohl" der Kinder.
LöschenDas ist...boah.
AntwortenLöschenIch hoffe, dass das in den Monaten zuvor Erlebte Deine Verletzungen schneller heilen lässt bzw. Dich ein wenig leichter über diesen Auszug denken lässt.
Mir ist stets aufs Neue ein Rätsel, wie wenig achtsam und die gemeinsame Vergangenheit in Ehre haltend Menschen mit anderen umgehen...aber je mehr ich SO WAS wie das hier lese, desto mehr denke ich:
Ich hatte wohl einfach nur unverschämtes Glück bisher.
Alles Gute und viel Kraft für Dich. Und möge die Tochter Dir noch manches Lachen über diese Lage ins Gesicht zaubern.
Ich danke dir!
LöschenJa, mein Sohn ist mir selbst ein Rätsel und das ist das, was am meisten weh tut.
Schon als Kleinkind stand er bei Ärger in der Ecke und schmollte, fraß alles in sich hinein _ nach außen angenehm, aber mich hat es belastet.
Die beiden anderen bekamen ihre typischen Tobsuchtsanfälle an der Supermarktkasse, womit ich viel besser klarkam. Danach war nämlich die Luft wieder gereinigt.
An meinen großen Sohn bin ich kaum herangekommen. Er war ein absoluter Lehrerliebling, weil er so brav und unauffällig war.
Manchmal denke ich, er hätte sich eine sehr angepasste Mutter gewünscht...
Und ja, man steckt wirklich nie drin. Glück oder Zufall spielen eine große Rolle.
Und in meiner Tochter, so anstrengend sie auch manchmal ist, sehe ich mich selbst wieder. Und das ist schön ;-)
Was für ein Scheiß!
AntwortenLöschenIch hoffe für dich und ihn, dass er wieder Boden und Einsicht gewinnt.
Undank ist der Welten Lohn:-(
Nicht beim ersten Friedensangebote einknicken.
AntwortenLöschenja, dem stimme ich zu. Lass dich bloß nicht weichkochen. Er ist alt genug, um auf eigenen Beinen zu stehen. Hol dir den bloß nicht mehr in die Hütte!!!!
Löschen*lach*
LöschenNein! Draußen ist draußen.
Die Verletzung sitzt tief und ich denke nicht im Traum daran ihn wieder aufzunehmen!
Heftig. Musste aber wohl sein.
AntwortenLöschenEs ist so wie es ist.
LöschenUnd ja, dann musste es wohl so sein...
Die Entscheidungen die wir treffen, bestimmen das Leben, das wir führen. Dein Sohn hat sich entschieden. Und es ist gut, wie du gehandelt hast. Laß ihn bei seinem Erzeuger leben. Irgendwann wird er dann schon aufwachen.
AntwortenLöschenZwei Jahre Ignoranz sind genug.
LöschenIch werde es immer im Hinterkopf behalten, dass er mich in der schwersten Zeit meines Lebens hängengelassen hat.
Er ist mein Kind und ich liebe ihn trotz allem, aber ich hab allen Grund enttäuscht von ihm zu sein.
Und ich habe mir nichts vorzuwerfen.
Als ich ihn vor Wochen fragte, was ich ihm angeblich angetan habe, dass er mich so scheixxe behandelt, fand er keine Antwort.
Er meinte nur, dass ich prinzipiell nicht an ihn und seine Geschwister gedacht habe, als ich mich von Exmann trennte.
Er ist noch jung. Wahrscheinlich erlebt er auch noch Trennungen - und dann sprechen wir in ein paar Jahren wieder...
Ach du Sch***. Das ist übel. Und ja, sie heben ab. Sehr schnell und sehr hoch. Und ein "ungünstiges" Umfeld kann das so begünstigen, dass du dich hinterher nur noch kopfschüttelnd fragst, was du da "großgezogen" hast und ob "der" wirklich von dir ist. :/ Hätte gerne noch ein paar "passende" Worte parat, aber da gibt es leider keine...
AntwortenLöschenNee, da fehlen einem die Worte.
LöschenIch hatte schon beim Begrüßungsabend seines Arbeitgebers und Ausbilders damals das Gefühl ich sei bei Scientology gelandet...mich hat`s echt gegruselt. Lauter abgehobene Menschen mit Dollarzeichen in den Augen.
Habe mich selten so deplatziert gefühlt.
Sowas muss Spuren hinterlassen.
Puh. Der letzte Abschnitt ist so weise... und trotz Rauswurf spricht eben doch noch Mutterliebe raus und das finde ich gerade sehr rührend (hab eine rührige Phase, muss am Wetter liegen). Chapeau, meine Hochachtung! Ich drücke die Daumen, dass bei dir einfach mal etwas wohlverdiente Ruhe einkehrt. Klar, kein Leben ist ein Ponyhof, aber es wird doch hoffentlich jeder mal ein bisschen durchschnaufen dürfen... :(
AntwortenLöschenAuf die Ruhe warte ich schon ewig, Alice ;-)
LöschenAber ja, momentan pendelt sich hier wieder etwas ein.
((Danke))
Jetzt bitte nicht verzweifeln. Ich weiß, sowas ist knochenhart, wenn man das eigene Kind nicht wieder erkennt. Ich habe mehr als 10 Jahre lang 2 Jungs alleine großgezogen und bin auch mittendrin manchmal verzweifelt. Ich musste zwar niemanden rausschmeißen, habe aber auch erlebt, wie sich Sohn 1, punktgenau an seinem 18. Geburtstag in ein ziemlich arrogantes, überhebliches Wesen verwandelt hat. Mittlerweile ist er 31, die Intelligenz ist mittlerweile auch in seinem Kopf angekommen und er überschlägt sich fast dabei, mir Gutes zu tun. Ich denke, damals als er 18 war, waren wir uns einfach zu nahe. Mit etwas Abstand dazwischen, eigener Wohnung etc. relativiert sich das Ganze dann wieder.
AntwortenLöschenKopf hoch, du hast bisher alles sehr gut gemacht (lese deinen Blog schon länger und leider ziemlich mit, weil mir das alles so bekannt vorkommt). Es wird eine Zeit kommen, da werden deine Kinder wieder die sein, die du in die Welt gesetzt hast. Was du bisher geleistet hast, darauf kannst du verdammt stolz sein. Und diese Stärke wird dir erhalten bleiben, und dir in allen noch kommenden kritischen Situationen nützlich sein.
Wollte das nur mal loswerden.
LG Susanne
Hallo, liebe Namenskollegin ;-)
LöschenRespekt! 10 Jahre zwei Jungs alleinerziehen ist ne Riesenleistung!
Ich glaube, das wichtigste ist Geduld und nochmals Geduld - eine schwierige Übung für mich, weil ich eine bin, die immer alles über`s Bein brechen will.
Auf die Jahre gesehen kommt hoffentlich alles wieder in`s Lot.
Danke für`s Loswerden ;-)
Das baut mich auf!