Ich könnte jetzt in mich gehen, analysieren und zerpflücken, mir am Ende eine selbstdiagnostische Schreibladehemmung auf`s Auge drücken. Will ich aber nicht.
Hat niemand was davon. Am allerwenigsten ich selbst.
Seit geraumer Zeit macht sich in mir die Gelassenheit breit. Es ist nicht die Ich-muss-dass-jetzt-endlich-gelassener-sehen-verdammtnochmal-Gelassenheit sondern richtige Gelassenheit.
Ehrliche, ganz von innen. Weil ich nämlich gemerkt habe, dass mit-dem-Kopf-durch-die-Wand nur einem Schmerzen bringt: mir selbst. Und dass ich andere nicht ändern kann.
Und dass vieles eben einfach so ist wie es ist.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin nicht zum demütigen, hilfsbedürftigen Püppi mutiert.
Ich agiere mit sanfter Gewalt, wenn es denn sein muss. Und das muss es leider oft.
Ich bin nicht mehr das wild und unkoordiniert hoppelnde und gestikulierende Duracell-Häschen.
Ich teste mich gerade in meiner Rolle als Strategin und setze mehr auf Langzeiterfolge als auf den schnellen, kurzlebigen Dolchstoß.
Und ich habe entdeckt, dass die beste Methode einen Feind zu schlagen ist, wenn er an seinen eigenen Waffen Schmerzen leiden muss.
Mit den Kindern läuft es gut. Nein, ich habe keine Musterkinder: Tochter mutierte fast über Nacht zum badblockierenden lockenstabmissbrauchendem Teeniemonster, welches sich mein gesamtes Kosmetikequipment unter den Nagel gerissen hat und dem ich eine Arthrose in beiden Daumen prophezeie, sollte sich ihr WhatsApp-Konsum nicht drastisch reduzieren. 14 halt.
Ich war nicht anders. Nur gab`s damals noch kein WhatsApp, sondern meterlange Telefonkabelschnüre, endend im verrammelten Kinderzimmer, inklusive wütend gegen die Zimmertür trommelnder Mutter.
Der Rebell hat sich
Check it out. Alles im grünen Bereich.
Der Große hat nach dem ersten Freiheitsgefühlsflash in seiner ersten eigenen Wohnung entdeckt, dass Mutterns Hausmannskost ein kostbares Gut ist.
"Mama, hast du mir einen Dosenöffner? Ich krieg die Ravioli nicht auf und mit dem Schraubenzieher gibt das immer so ne Sauerei."
Der arme Junge verhungert und freut sich wie Weihnachten und Ostern zusammen, wenn ich ihm ein Fresspaket zusammenstelle.
Dinge relativieren sich. Vieles. Aber nicht alles.
Exarsch nie. Der wird immer morbider.
Die Konfirmation von Cowgirl steht an.
Nach dem Desaster der Rebellenkonfi vor 4 Jahren (Ich erinnere: Ex-Schwager war voll wie eine Haubitze und rammte seine Bierflasche in den Kühlschrank - geradewegs in das Herz meiner kunstvoll kreierten Schwarzwälderkirschtorte) soll das Fest seiner Schwester um einiges entspannter werden.
Die ganze Ex-Verwandtschaft bleibt mir also dieses Mal erspart (von denen, bis dato, der Rebell noch nicht einmal ein geringstes Geldgeschenk gesehen hat).
Ganz zum Entsetzen von Ex.
Nachdem er sich für Sonstiges im Leben seiner Kinder nicht interessiert, machte er eine Riesenwelle, er wolle für seine Tochter eine zweite Konfirmationsfeier ausrichten.
Nachdem mir Tochter ausrichtete, dass er nicht mehr mit mir persönlich kommunizieren will,
Hallo Ex,
Die Konfirmation unserer Tochter steht in`s Haus. Da du es bevorzugst nicht mehr mit mir zu reden, anbei mein Plan, die Feier im kleinen Rahmen zu feiern: Du, ich, meine Mutter, deine Mutter, natürlich unsere Kinder und die beste Feundin von Tochter.
Bitte gib mir baldmöglichst Bescheid, damit ich das Lokal buchen kann.
Gruß, Ex
Und jetzt kommt meine neu gewonnene Gelassenheit zum Zug: Ich sah, dass er die Nachricht gelesen hatte, aber ich ließ ihm exakt eine Woche in Schockstarre.
Dann wurde ich doch etwas sauer und ungeduldig und machte ihn nochmals auf meine Nachricht aufmerksam.
Ich: ???
Er:
Ja hallo. Ich muss das erst mal mit Tochter klären, ob das so in Ordnung ist. Ich habe mir noch keine Gedanken gemacht. Gruß Ex.
Macht sich die Printe über irgendetwas was seine Kinder betrifft überhaupt Gedanken?
Kann er sich nicht vorstellen, wie außerordentlich beschixxen die Situation für seine Tochter ist?
Wieder einige Tage später holte er Tochter an einem Samstagabend zum Übernachten ab. Ich kam zufällig gerade von der Arbeit, er parkte vor dem Haus und ich lief auf sein Auto zu. Er tat so, als tippe er geschäftig auf seinem Handy rum und ich klopfte an die Scheibe:
"Hallo, wann gedenkst du endlich mir zu antworten? Weisst du, wie beschixxen dein Verhalten für Tochter ist? Klare Ansage, jetzt und hier: Kommst du zu ihrer Konfi oder nicht?"
"Ich komme nicht."
Okay. Fall erledigt. Dachte ich. Gut für mich, weil ich die feige Hohlfritte dann nicht ertragen muss, aber traurig für Tochter.
"Deine Entscheidung. Aber eins muss ich dir noch sagen: Dein Verhalten ist arm und erbärmlich."
Die folgende Woche war anstrengend. Zum Stress auf der Arbeit gesellte sich noch Tochter`s Wut auf ihren Vater. Und Traurigkeit. Das ging auch am Rebellen nicht spurlos vorbei, zumal er sich seit einiger Zeit als Ersatzvater für seine kleine Schwester sieht. Und ganz nebenbei liebt er sie einfach.
"Gib ma Telefon!" . Schnappte sich das Ding und ging in sein Zimmer. Nach 5 Minuten kam er wieder.
"Ich hab grad unserem Vater gesagt, was ich von ihm halte. Dass er ein feiges Arschloch geworden ist. Ach ja.... er kommt zur Konfirmation. Samt Oma. Wird er dir aber nicht persönlich sagen, weil er Schiss vor dir hat."
Lektion: Dinge können sich zu meinen Gunsten entwickeln, wenn ich ruhig und gelassen bleibe und die Zeit für mich arbeiten lasse.
Kleines Manko: Ich muss den Deppen mindestens einen halben Tag ertragen.
Aber das bekomm ich auch noch hin.
Ommmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm.......
Hallo liebe Lilly, ich versuche auch mir eine gewisse Gelassenheit anzueignen. Schade, dass ich nicht schon früher, als meine Tochter noch bei mir wohnte, mit folgenden Sätzen authentisch Gelassenheit demonstrieren konnte:
AntwortenLöschenChill Du in Ruhe, ich bring’ den Müll raus!
Mein Haus, Deine Regeln.
Du brauchst definitiv einen besseren Computer.
Wer saufen kann, muss auch ausschlafen.
Schule abbrechen und auswandern? Klingt aufregend!
Nicht so schlimm. In vielen anderen Kulturen ist es völlig normal, mit 14 ein Kind zu bekommen.
Extasy? Na ja … solange es kein Heroin ist.
Hast du gestern was abgeschleppt?
Ich hab’ Dir schon mal ein Ballerspiel reingelegt, Du kleiner Bücherwurm!
Vielleicht probierst Du Du mal den ein oder anderen Satz, ich wär auf die verdutzten Gesichter gespannt ;-)
(Sind übrigens aus dem Buch „Die fünf schlechtesten Antworten auf „Ich liebe Dich“)
Na ja, ich will das mit der Gelassenheit ja nicht übertreiben ;-)
LöschenAber an den fünf scghlechtesten Antworten auf "Ich liebe Dich" wäre ich sehr interessiert.
Rein prophylaktisch, versteht sich.
Habe die Antworten aus dem besagten Buch mal gegoogelt, damit Du im Falle eines Falles nicht sprachlos wärst(mein Favorit wäre Nr.2):
Löschen5. Geil!
4. Warum?
3. Würde ich ja wohl merken!
2. Jetzt haben wir den Salat!
1. Schlaf gut.
Schön Dich zu lesen :-*
AntwortenLöschenYep!
LöschenDachte, es wäre mal wieder an der Zeit ;-)
LöschenWann steigt die Party?
AntwortenLöschen26. April.
LöschenUnd mir ist jetzt schon schlecht.
Cool, der Rebell!!!
AntwortenLöschenZumindest hat er eines seinem Vater voraus: Arsch in der Hose!
LöschenAlso, erlaube mir die Anmerkung, Gelassenheit sieht für mich anders aus ...
AntwortenLöschenEs wird sicherlich noch eine Weile dauern, bis Du das Verhalten Deines Ex tatsächlich gelassen sehen kannst, natürlich auch, solange er aus seiner Erfahrung weiß, welche "Knöpfe" er bei Dir drücken muß, um Dich auf 180 zu bringen und nix anderes wird er versuchen, bis er selbst über Eure Trennung hinweg ist - Besitzanspruch und Verlust sind hier die Stichworte.
Transportmedien sind hier in erster Linie die Kinder - durchaus verwerflich. Und es behindert die Lösung eines grundsätzlichen Problems. Die Kinder müssen ihre Position für sich selbst ohne Einfluß einer der beteiligten Parteien finden - durchaus schwierig.
Schön, von Dir zu lesen und ich hoffe, Du bist wieder gesund.
Lieber blogspargel,
LöschenDas klingt sehr schön und vernünftig, was du analysierst und interpretierst.
Auf Abstand betrachtet. Ich habe massenhaft Sachbücher darüber gelesen, wie man sich seinen Kindern gegenüberüber nach einer Trennung verhalten sollte.
Funktioniert bestimmt prima, wenn es beide Elternteile so sehen.
Ist aber in meinem Fall leider nicht so.
Ständig versuche ich, meine Emotionen für mich auszuleben, sie nicht an die Kinder zu übertragen. Aber sie sind inzwischen alt genug und sie sind sich über das schäbige Verhalten ihres Vaters durchaus bewusst, ganz ohne mein Zutun.
Und ihnen ist es scheixxpiepegal, ob der Vater nun nicht wegen mir oder wegen sonstwas nicht zur Konfirmation kommen will; es bleibt nur das Gefühl, nicht wichtig genug für ihn zu sein.
Nein, absolut gelassen bin ich nicht und davon wohl auch noch meilenweit entfernt - sonst würde ich nicht darüber bloggen.
Sicherlich, es macht mich wütend. Vor allem wütend, weil ich als Betreuungsperson vor Ort immer die ganzen Emotionen, die Wutausbrüche und oft auch Aggressionen der Kinder ausbaden und mit ihnen verarbeiten muss.
Gefühle bei den Kindern, die ich nicht verursacht habe und die ich ihnen gern ersparen will.
Es ist und bleibt anstrengend, aber ich bin gelassener geworden. Ist ein ganz tiefes Gefühl.
Und ich selbst kenne mich am besten.
Ja, ich bin wieder gesund und ich hatte Glück, dass ich offensichtlich keine Spätschäden davontrage,
Danke der Nachfrage ;-)
Respekt vor deinem Junior *Daumenhoch*
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