Donnerstag, 12. Februar 2015

Happy Elternsprechtag oder "heisses Eisen"


Am Dienstag war es mal wieder soweit. Alle Jahre wieder; Elternsprechtag der Jüngsten passend zum Halbjahreszeugnis.
Die Jüngste ist eine lerntechnische Minimalistin und zudem hochgradig pubertierend.
Als Mutter von drei Kindern habe ich notenmäßig die Ruhe weg.
Tenor Sie könnte viel mehr, wenn sie nur wollte....
Sie ist die Tochter ihrer Mutter und mich hat es damals in der 8. Klasse Gymnasium mit einem grandiosen Fünferzeugnis gepflegt von der Schule katapultiert.
Meine Vorbildfunktion kann ich also knicken.

Es ist etwas anderes, was mir große Sorgen macht und weshalb ich mir Termine bei sämtlichen Lehrern und selbst beim Rektor sicherte:
In Tochter ging in letzter Zeit eine extreme Wandlung in Richtung Ausländerfeindlichkeit vor, insbesondere auf die türkischen Jungs in der Klasse.
Dies sind nicht wenige und ich höre hier Betitelungen, die ich lieber nicht wiederholen möchte.
Nachgefragt bei Tochter kam immer mehr zutage, dass sie und ihre zwei Freundinnen extrem von diesen Jungs unter Druck gesetzt werden.
Warum es gerade diese drei Mädchen sind, ist schnell geklärt: Sie wählten statt dem hauswirtschaftlichen den technischen Weg, den Jungenzweig, und werden dort massiv angegriffen.
Alles hinter dem Rücken des Techniklehrers. Sie werden gezwungen den Raum nach Unterrichtsende zu kehren, weil es schließlich Frauenarbeit sei. Da werden hergestellte Projekte durch`s Zimmer geworfen und zerstört, es werden die Lern-CD-Rom`s zerbrochen und als Wurfobjekte auf die Mädchen missbraucht, wobei sich Tochterfreundin eine Schnittwunde unter dem linken Auge zuzog.
Nicht zuletzt werden die Mädchen als "dreckige deutsche Schlampen, die mit ihren Vätern f*cken" beschumpfen und niedergemacht.

Nun ist meine Tochter keine Duckmaus. Sie musste sich schon immer gegen ihre zwei Brüder behaupten. Notfalls schlägt sie zurück, aber was kann ein Mädchen körperlich gegen eine Horde Jungs ausrichten?
Selbst die Jungs, die sich nicht an den Attacken beteiligen, unterlagen irgendwann dem Gruppenzwang und schlossen sich mehr oder weniger den Rädelsführern an.

Mir macht das Angst. Berechtigte Angst. Und wenn ich auf einem Elternabend einen türkischen Vater (der einzige übrigens, der von seinen Landsleuten den Elternabend besucht) sagen höre "Meine Frau hilft bei allen Festen. Sie kocht den ganzen Tag. Man muss nur sagen, was sie kochen und backen soll und dann macht sie das." gibt mir das schwer zu denken.
Auch, dass die kleineren Schwestern eines Klassenkameraden nach Ramadan plötzlich in Kopftüchern zur Schule kommen, nachdem sie ein Jahr zuvor noch im Bikini zum Schwimmunterricht erschienen sind, macht mir Bauchschmerzen.

Es herrscht morgens vor dem Schulegehen eine spürbare Bedrücktheit und Angst von Tochter, gepaart mit Wut, Rebellion und inzwischen ausgeprägter Ausländerfeindlichkeit.
Höchste Zeit, um zu reagieren.
Zuerst hatte ich einen Termin bei der Klassenlehrerin, welche mir, beinahe befreit, ihre Ohnmacht schilderte. Es sei kaum noch regulärer Unterricht möglich, die besagten Schüler würden massiv die Klasse stören und ihre Aufforderungen verweigern, denn sie lassen sich von einer Frau nichts sagen.
Sie wisse um die Situation und es gab auch schon tageweise Klassenausschlüsse, welche im Endeffekt nichts bewirkt haben; die Auflehnung der türkischen Paschas wurde nur noch schlimmer.
Gespräche mit den betroffenen Eltern wurde von denselben abgelehnt. Kein Herankommen.
Da sich von den anderen Eltern aber noch niemand derart beschwert hat, sah sie keinen weiteren Handlungsbedarf.
Wir Mütter der drei "Technik-Mädchen" machen jetzt aber mobil!
Es kann nicht sein, dass meine Tochter Angst haben und vor angehenden "Männern" kuschen muss!
Nennt mich in diesem Fall Multikulti-feindlich und nicht in`s allgemeine tolerante Horn blasend, aber ich als betroffene Mutter sage, dass wir in einem Land leben, in dem die Frau gleichberechtigt ist und das sehe ich als großes Gut. Und genau das habe ich meiner Tochter immer vermittelt.

Der Techniklehrer konnte mir auch einige unschöne Begebenheiten in seinem Unterricht bezeugen, die wirklich körperlichen Angriffe entgingen ihm aber, weil sie meist hinter seinem Rücken geschehen und die Mädchen erpresst werden nichts zu "petzen".
Allgemein bestätigte er den Trend, dass sich Jugendliche mit Migrationshintergrund immer weniger integrieren und aggressiv gegen deutsche Mädchen mobil machen.
Hier wird sich angepasst und fair verhalten. Ansonsten: Abflug!

Zuguterletzt gab es noch ein gemeinsames Gespräch mit den beiden Lehrern und dem Rektor ... und der Mutter von Tochterfreundin, welche auch noch dazugekommen war.
Ich bin inzwischen unerbittlich und sage nicht wie früher "Da müsste man mal etwas machen." 
Meine Forderung geht massiv zu einem "Was wird konkret unternommen?"

Ich weiss, dass ich heisses Eisen anfasse.
Ich bin für Toleranz und Integration. Aber nur, wenn dies von beiden Seiten aus geschieht.
Angst ist ein schlechter Berater und es gab zumindest schon am nächsten Tag ein wenig weichgespültes Gespräch zwischen dem Rektor und den betroffenen kleinen Arschlöchern Jungs.

Die Angst, dass der Schuss nach hinten losgeht und wieder gegen meine Tochter und deren Freundinnen mobil gemacht wird, bleibt.

11 Kommentare:

  1. Ich würde es so gerne glauben - aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Lehrer und Schulleitung wirklich Zeichen setzen: Angesichts der aktuellen politischen Situation wird doch alles und jedes gleich als Ausländerhass eingestuft und verurteilt. Das ist es ja letztlich auch, was solchen "Möchtegern-Paschas" Nährboden gibt. Hat ja auch mal einer offen in die Kamera eines Reporters gesagt: "Isch kann doch eh machen, was isch will, passiert mir nichts!"
    Gibt es denn konkrete Lösungsansätze??

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Helma, das ist ja eben das Fatale daran: Wenn du aufbegehrst , wirst du in die rechte Ecke gestopft!
      Aber wie gesagt: Angst ist ein schlechter Berater:
      Und was mich stutzig macht, ist ja die Tasache, dass die Lehrer von der Situation wussten und aber nicht mit dem Schulleiter darüber gesprochen haben; der wusste nämlich von nichts....

      Ich habe auch wenig Hoffnung, dass etwas bewirkt wird. Notfalls muss doch der große Bruder (vor dem haben kleine Pisser Respekt;-)) wie angekündigt den Bedrohern etwas, verbal drohend, Beine machen.

      Lösungsansatz ist wohl eine Klassenkonferenz. Das sagte der Schulleiter zu und zudem wird die Schulsozialarbeiterin eingeschaltet.
      Ob es was nützt?
      Ich bezweifle das. Ist eine blutjunge Frau (!), die ihr übliches Antimobbing-Training durchziehen will.
      Alles schon gehabt *gähn*....

      Löschen
  2. Arschloch ist Arschloch und das egal wo es herkommt. Das die Jungs von Zuhause dieses Bild wahrscheinlich vorgelebt bekommen, macht es nicht besser und ich sehe bei Dir keine Intoleranz sondern das einschreiten durch Dich als Mutter, deren Tochter bedroht wird. Du würdest genauso handeln, wenn es Jungs wären die eben keinen ausländischen Hintergrund haben und davon könnte ich Dir hier einige zeigen...Ich drücke die Daumen das es besser wird.

    AntwortenLöschen
  3. Buschkowsky hat Recht.
    Hier kann nur harte Kante gefahren werden.
    Und nein, es ist nicht ausländerfeindlich was Du schreibst, den wie Goldi schon geschrieben hat: Arschloch ist Arschloch und da ist es vollkommen egal woher es kommt.

    AntwortenLöschen
  4. Finde es gut das du das Thema angehst. Es ist und bleibt ein Thema egal von welchem Migrationshintergrund sowas passiert. Hoffe das sich auch andere Eltern einschalten um das Thema zu unterstützen. Ich habe an dieser Stelle die Erfahrung gemacht das vor allem der Vater deiner Tochterfreundin gefragt sein wird. Die Idee mit dem Bruder ist ebenfalls eine sehr gute. Drück dir auf jeden Fall die Daumen das alles gut ausgeht. Und ja die Angst bleibt zurecht....Ich habe an dieser Stelle einen Spruch der mir manche Entscheidung abgenommen hat: "Du sollst dich nie vor einem lebend Menschen bücken" - Willy Bleicher

    AntwortenLöschen
  5. huch , durch ZUfall reingestolpert....aber das ist Mob*bing, aus welchen Hintergründen auch immer und das hat nichts mit Rass*ismus zu tun, sich dagegen zu wehren...
    gute Nerven wünschend, Frau Gräde

    AntwortenLöschen
  6. Boah, da kann einem ja echt der Hut hochgehen. Wie kann denn da die Schule so duckmaeuserisch sein? Kein Rankommen an die Eltern? Hallo? Ich hoffe wirklich, dass Ihr es schafft, die geweckt zu haben und da jetzt sofort gegen vorgegangen wird. Nacharbeiten, Wechsel in die Parallelklasse, die Paschas den Raum fegen lassen, und auf jeden Fall Benachrichtigung und Einbezug von deren Eltern, und zwar in direkten Einzelaussprachen, nicht als Klassenkonferenz, wo die als Rudel auftreten. Dauerhaftes derartiges Verhalten, zumal bei Weigerung der Eltern da irgendwie einzuschreiten, ist durchaus Grund fuer Schulverweis.

    Toll, dass sich Deine Tochter Dir anvertraut hat. Ich druecke die Daumen und wuensche starke Nerven.

    AntwortenLöschen
  7. Also, im vorliegenden Fall kann man gar keine Ausländerfeindlichkeit unterstellen, denn bei den Betroffenen handelt es sich sicherlich um Deutsche, halt mit Migrations_hintergrund_. Das darf aber so oder so kein Thema sein, denn hier geht es um mangelndes Unrechtsbewusstsein und mangelnden Respekt vor anderen, dummerweise verstärkt noch durch hormonelles Ungleichgewicht.

    Für mich sind diese Vorfälle eindeutig ein Schulversagen, dass hier nicht die richtigen Werte vermittelt werden. Wurzel sind natürlich die Eltern, aber die kann man nicht mehr ändern und zudem sind die Schüler diejenigen, bei denen etwas scheppsert läuft und wo etwas zu korrigieren ist.
    Lieber Herr Rektor, sehr geehrte Lehrer, bitte machen Sie Ihren Job!

    Du machst alles richtig mit dem Weg, den Du gehst, dass Deine Ansprechpartner teilweise Weicheier sind, ist da natürlich nicht gerade hilfreich. Hoffentlich kann das Ganze schulintern geklärt werden, falls nicht, gibt's in BW z.B. ein MCC (s. mcc-bw.de) oder, etwas um die Ecke gedacht, nächstes Jahr Landtagswahlen. Im Vorfeld solcher Wahlen haben die Landtagskandidaten offenere Ohren für die Probleme Ihrer potenziellen Wähler und reagieren häufig spürbarer auf entsprechende "Denkanstöße" ihrer Bürger, Probleme anzugehen. Das wird den Rektor nicht erfreuen, aber er hatte ja seine Chance ...

    Erlaube mir die Anmerkung, Gewalt ist keine Lösung, auch, wenn man Betroffener ist. Der große Bruder hilft vielleicht im Augenblick, aber vielleicht hat dann einer der Aggressoren einen noch größeren Bruder oder sogar mehrere und dann eskaliert's ganz schnell, wie Du selbst feststellst. Außerdem: Sich auf deren Niveau begeben ... ?!

    AntwortenLöschen
  8. Ich weiß gar nicht was ich dazu sagen soll.
    Du machst es richtig. Das würde jede Mutter tun, wenn sie ihr Kind bedroht sieht.
    Ich finde es aber schlimm, dass man sich sofort Gedanken darüber macht, dass das ausländerfeindlich wirken könnte.

    Wir leben in einem Land in dem Frauen gleichberechtigt sind und wenn das nicht respektiert wird, egal von wem, darf - nein muss -man sich auch dagegen wehren.

    Deine Angst, dass die Jungs wieder gegen deine Tochter vorgehen ist sicherlich nicht von der Hand zu weißen. Aber deshalb die Jungs gewähren lassen?
    Ich denke es hilft nichts, wenn man nur mit den Jungs redet, sondern auch mit den belästigten Mädchen. Man muss sie ermutigen sich sofort zu melden, sobald einer der Jungs auch nur den Anschein macht sich schlecht zu benehmen.
    Und alleine ein Gespräch mit den Jungs hilft meines Erachtens gar nicht. Sie haben ihr Leben lang gelernt, dass sie DIE Paschas sind. Man kann ihnen kaum vorwerfen, dass sie sich dann auch als solche benehmen. SIe haben es nicht anders gelernt, es wird zeit, dass sie lernen, dass sie keine Paschas sind.
    Ich finde sie sollten damit beauftragt werden, in Zukunft den Technikraum sauber zu machen und auch sonst in der Schule "Frauenaufgaben" erledigen zu müssen.
    Wenn etwas kaputt gegangen ist, müssen sie diese Dinge reparieren/ersetzen, sofern nicht nachweislich ein anderer dafür verantwortlich ist, einfach mal aus dem Anfangsverdacht heraus, dass sie die Dinge beschädigt haben könnten. Sie müssen die Konsequenz aus ihrem Verhalten tragen lernen und lernen, dass es mit nichten so ist, dass Frauen "minderwertigere" Menschen sind und Mann diese ungestraft drangsalieren kann.
    Ich weiß, das klingt brutal, aber ich finde es auch brutal wie sich diese Jungs aufführen und ich finde es brutal, wenn sich junge Mädchen sowas gefallen lassen müssen, nur weil jeder in diesem Land die Hosen voll hat, weil man Gefahr läuft als ausländerfeindlich zu gelten, wenn man anklagt, dass jemand sich nicht an das Recht und die Sitten in unserem Land hält.

    Deiner Tochter kann man im übrigen auch nicht vorwerfen, dass sich ausländerfeindliche Sprüche von sich gibt. Sie muss nun wieder lernen, dass eben nicht alle Ausländer so sind, sondern, dass es sich bei diesen Jungs um eine besonders dumme Spezies Mensch handelt, die nichts mit der Herkunft und Nationalität zu tun hat.

    Halte uns auf dem Laufenden...

    AntwortenLöschen
  9. So ist das mit der Integration. Sie funktioniert nämlich nur in beide Richtungen. Genau wie Toleranz. Schon meine jetzt erwachsenen Kinder hatten Probleme dieser Art in der Schule, und auch wir wurden, als wir uns wehrten, in die rechte Ecke gestellt. Meiner Meinung nach steht uns als Gesellschaft unsere Vergangenheit im Weg. Sie wird vor allem als Totschlagargument von denen genutzt, die einen Freibrief für ihr eigenes Verhalten benötigen. Auffällig sind dabei die jungen Männer, die ihre "Tradition" markant nach außen tragen. Wie es in deren Familien zugeht, bekommt man in der Regel nicht mit. Es bleibt für die Betroffenen ein Gefühl des Unbehagens zurück, manchmal sogar berechtigt. Man zieht sich zurück, und schon ist die Integration gescheitert. Pass gut auf Dein Kind auf.

    AntwortenLöschen