Donnerstag, 20. Februar 2014

Traurig

Wir trauern.
Meine Kolleginnen aus dem Sozialdienst/Beschäftigungstherapie und ich sind nicht nur Kolleginnen.
Wir sind Freundinnen. Wir teilen Privates, unternehmen viel zusammen, tauschen ohne Widerspruch unsere Dienste und stehen füreinander ein.
Ich kann aus tiefer Überzeugung sagen, dass ich die besten Kolleginnen ever habe.

Gestern kam die erschütternde Nachricht, dass Kollegin A. gestorben ist, am Dienstagabend.
A. wurde zu meiner Anfangszeit wiedereingegliedert. Sie hatte Brustkrebs, der behandelbar war und war guter Dinge dem Tod von der Schippe gesprungen zu sein.
A. war eine außergewöhnliche Frau. Sie war ruhig, zurückhaltend und voller Wärme.
Gejammert hat sie nie, obwohl gerade sie wahrlich Grund dazu gehabt hätte.
Ich habe mich immer auf die Samstage gefreut, wenn ich mit ihr zusammenarbeiten durfte.
Ihre Ruhe, die sie ausstrahlte, übertrug sich auf die Bewohner.
Es mag sich verkitscht anhören, aber es lag in ihrer Gegenwart sowas wie Frieden im Raum.

A. hatte einen Rückfall. Der Krebs kam wieder. Metastasen überall, wo sie nichts zu suchen haben. Zuletzt in den Knochen. Und weil sie nicht schon genug leiden musste, musste sie zuletzt noch einen Oberschenkelhalsbruch erdulden, der nicht mehr heilen wollte.

Bevor wir sie abwechslungsweise besuchten, mussten wir tief Luft holen.
Es war unsagbar schwer sie so zu sehen...

Jeden Tag sehe ich dem Tod in`s Auge.
Ich sehe Menschen sterben, manchmal auf sehr unschöne Art, aber sie sind alt und haben ihr Leben gelebt.
Manchen wünsche ich den Tod, wenn sie ihn sich selber wünschen.
Fertig gelebtes Leben.

A. hat es nicht fertig gelebt.
Sie war knapp 50 Jahre alt.
Sie wird nicht sehen, wenn ihre drei Kinder Partner finden und eigene Familien gründen.
Sie war noch nicht fertig mit leben...

Unbegreiflich.
A., wo immer du jetzt bist, du lebst weiter.
In uns.


14 Kommentare:

  1. Dieser verdammte scheiß Krebs :(
    Ich fühle mit Dir..

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  2. Als Brustkrebs-Betroffene muss ich bei dem Beitrag ziemlich schlucken.
    Aber es bleibt beim Spruch meiner Mutter: "Das Leben ist lebensgefährlich", eine ziemlich Plattitüde, aber anders kann man es sich oft nicht erklären. Es tut mir sehr leid, dass Du Deine Kollegin verloren hast.

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    1. Helga, das wusste ich nicht .... Es tut mir leid......
      Ich kenne viele Frauen, die es geschafft haben.
      Meiner Kollegin war es nicht vergönnt.

      Dir ganz viel Zuversicht !

      Lilly

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    2. Danke! Ich hoffe, ich gehör zu denen, die es schaffen.

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  3. Wunderschön geschrieben....vielen Dank dafür.

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  4. Ja, die alten Menschen haben ihr Leben gelebt, aber sie hängen trotzdem daran. Mein Vater hat, als er vor einer Woche noch reden konnte, so geweint, wie ich ihn noch nie gesehen habe. Er hat wohl gewußt, dass er sterben wird. Das ist genauso traurig, egal wie alt jemand ist oder woran er stirbt.

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  5. Es tut mir wirklich leid, dass du deine Kollegin verloren hast. Ich weiß nur zu gut, wie du dich damit fühlst. Und den letzten Weg zu gehen, sie dieses Stück auch noch zu begleiten, ist hart. Verdammt hart und kostet einen unglaublich Kraft.

    Bei meiner Mutter wurde 2003 Brustkrebs diagnostiziert. Nach Chemo, Bestrahlung, mehreren Rehas, etc. geht es ihr heute wieder gut. Dafür bin ich dankbar. Sie kann ihr Leben weiterleben und sie genießt die zweite Chance, die das Leben ihr gegeben hat.

    Bei meiner besten Freundin wurde 09/2011 Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert. Nach Chemo, Bestrahlung, Reha, noch mal Chemo und noch mal Chemo kam dann die Horrordiagnose Lebermetastasen. Diesen Kampf hat sie dann im Januar 2013 verloren.
    Mit nur 44 Jahren.
    Kein fertig gelebtes Leben.
    Mit vielen Plänen für die Zukunft.

    Wir/Ich habe(n) sie im Sterben begleitet. Bis zum letzten Atemzug. Das hat es mir trotz allem etwas leichter gemacht. Ich konnte mich von ihr verabschieden. *soifz*

    Fühl dich einfach mal gedrückt.

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