Donnerstag, 29. Mai 2014

Über Ziele

In mir hat sich etwas gewandelt und das musste sein.
Ich stand vor dem Spiegel, schaute mich an und war nicht mehr einig mit der Frau, die mich anblickte: Verkniffen und verbittert, mit Zornesfalten zwischen den Augenbrauen.
Nichts mehr sah da nach Umbruch, Revolution und Neubeginn aus.
Resigniert und kapituliert.
Fertig.

Unbändige Wut in mir. Wut wegen der Erziehungslast, die mir sprichwörtlich heftige Nackenschmerzen beschert, Wut auf den Rebellen, der mich den letzten Nerv kostet - und vor allem Wut auf den Ex. Endlose Wut. Wut, die mich noch nachts in meinen Träumen verfolgt. Übelste Albträume, die mich schockiert und fassungslos, aber irgendwie erleichtert-erschöpft aufwachen lassen.
Träume von Metzeleien und Blutbädern, in denen ich die Akteurin bin. Keine Frage, ich werde nicht zur Mörderin meines Exmannes, aber ich spüre, dass ab und zu  mein emotionales Überdruckventil explodiert. Und gleichzeitig schockiert mich, wieviel Raum meine Wut in meinem Leben einnimmt.

Nun könnte man sagen, ich solle diese Wut einfach ignorieren und verdrängen und es, wie es unter anderem meine Mutter sagt, als gottgegeben annehmen, dass Frauen nach einer Trennung eben nun mal mutterseelenalleinerziehend sind und dass ich endlich lernen muss mich mit dieser logischen Folgerung zu arrangieren.
Das hilft mir aber nicht weiter. Die Wut geht davon nicht einfach weg und löst sich in Wohlgefallen auf. Sie ist der Schrei der Seele, dass etwas gehörig im Ungleichgewicht steht.
Da hilft weder purer Aktionismus noch Ablenken.
Er ist der Vater. Die Kinder sind sein Fleisch und Blut und es geht mir einfach nicht in die Birne, dass er seinen anstrengenden Sohn aufgibt und ignoriert.

Bewusst geworden ist mir das durch diesen Artikel, den mir Hans zukommen ließ.
Es ist nicht so, dass die Wut nun weg ist, aber sie hat nun zumindest einen Namen - und das bedeutet mir sehr viel.
Ich habe auch noch keine konkrete Vorstellung, wie ich mit der Wut umgehen soll und wie ich sie in kontrollierbare Bahnen lenken könnte, aber sie hat einen Namen. Und ich bin nicht mit ihr allein. Vielen anderen alleinerziehenden Müttern geht es genauso; allein(gelassen) mit der Last der Erziehung des Nachwuchses. Überlastet mit der zermürbenden Backgroundarbeit. Doppeltbelastet durch Beruf und Kindererziehung.

Ich will nicht im Jammertal verweilen. Ich will weiterkommen. Es gibt so vieles, auf das ich stolz sein kann: Im April wurde aus meinem verlängerten Arbeitsvertrag ein fester, ich mache meine Arbeit mit viel Freude und Engagement und es ist ein unbeschreibliches Gefühl für sich selbst und die Kinder selbst finanziell sorgen zu können. Unabhängig von einem Mann. Mein großes Stück Freiheit.

Ich will mich nicht mehr durch Beschimpfungen und vor allem Ignoranz von meinem Exmann beschneiden lassen. Das habe ich mir fest vorgenommen. Im Kopf steht das Ziel. Wie ich es erreiche, weiss ich noch nicht. Ich spüre nur diesen Ruck in mir, den Willen mich nicht mehr knechten zu lassen. Nicht, um mich an ihm zu rächen, sondern aus Selbstachtung.

Keine Ahnung, wie ich das umsetze, aber der Plan steht.
Zumindest hilft es sehr, hier alles rauszulassen und in Worte zu fassen.

6 Kommentare:

  1. YEAH!
    Keep going and keep it high.

    Ich weiß, ich bin langweilig.

    AntwortenLöschen
  2. Jepp... du bist auch wichtig, das sage ich immer wieder.. pass auf DICH auf... dann schaffst du auch alles andere..

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das ist der Schlüssel und das muss ich mir immer wieder vor Augen führen....

      Löschen
  3. Du schreibst mir so aus der Seele!!!

    AntwortenLöschen