Arme, die mich halten,
ein Mund ohne Fragen,
mein Gesicht in die Schulter vergraben,
Augen, die mich ohne Worte verstehen.
Verständnis dafür, dass mein "Job" da beginnt, wo andere enden.
Selbstgewählt.
Jemand, der versteht, dass ich es nicht aus Selbstzerstörung oder Selbstbeweihräucherung tue,
sondern, dass es mein tiefes Bedürfnis ist nicht zu flüchten und bis zum letzten Atemzug dabeizusein.
Wortlos. Ohne schlaue Sprüche. Ohne monoton gesprochene Bibelverse.
Jemand, der wirklich versteht, dass mein Schmerzaushaltenkönnen meine Stärke ist.
Jemand, der mir nicht einreden will, dass ich deshalb einen seelischen Schaden davontrage.
Jemand, der aufrichtig und wahrhaftig versteht, dass es mich demütig macht, wenn eine sterbende Hand meine umfasst und ich den letzten tiefen Atemzug eines zweiundneunzigjährigen Menschenlebens erleben darf.
Der Moment, wenn die Welt im Raum stillzustehen scheint, obwohl draußen die Sonne scheint, Lastwagen vorbeidonnern und die Kinder im gegenüberliegenden Kindergarten lachen.
Der lange Augenblick, wenn Trauer und Glück sich noch nie so nah waren.
Hebamme. Ich wollte immer Hebamme werden.
Beim ersten Atemzug dabei sein.
Irgendwie hat sich mein Wunsch erfüllt, nur, dass es jetzt der letzte Atemzug ist.
Macht das einen Unterschied?
Hebamme des Todes.
Morbide und schräg und doch so normal.
Zu mir passend.
Je mehr ich den Tod küsse, umso näher fühle ich mich dem Leben.
Offtopic: Allein der Gedanke, dass ich eines meiner Kinder verlieren könnte oder andere Menschen, die ich liebe, lässt mir den Atem stocken und das oben Geschriebene zur Farce werden...
Heute ist ein schöner, sonniger Tag!
Ein prima Tag zum Leben!!!

Sehr, sehr beruehrend, liebe Lilly. Und schoen fuer den Menschen, der da geht, nicht allein sein zu muessen.
AntwortenLöschenVerneige mich mit Tränen in den Augen.
AntwortenLöschenÜberlege gerade, wann ich zum letzten Mal so berührende Worte gelesen habe... ich weiß es nicht.
AntwortenLöschenZur Farce werden? Denke eher, das ist die volle Bandbreite des Lebens, die nur jemand wahrnehmen und so in Worte fassen kann, der genau hinschaut und es aushält, alles zu sehen. ;)
Der Tod gehört zum Leben. Das wird in der heutigen Zeit leider oft vergessen. Ich kann mich noch daran erinnern, dass meine Oma zuhause in der "guten" Stube aufgebahrt wurde, und sich dort alle von ihr verabschieden konnten.
AntwortenLöschenViele junge Kolleginnen von mir fürchten sich davor, während einer Nachtschicht alleine zu sein, alleine mit kranken, sterbenden Bewohner, da sie noch nie mit dem Thema in Berührung gekommen sind. Schade, dass der Tod zu einem Tabuthema geworden ist.
LG Niggelo
Vielen Dank für die Zeilen und das du es einfach tust. Für jeden Mensch ein wunderbares Gefühl zu wissen das er nicht alleine sein muss in diesem Moment.
AntwortenLöschenIch danke Euch.......
AntwortenLöschenIch sehe gerade, dass ich schon ewig nicht mehr in deinem Blog gelesen habe (und meiner schon genauso lange und noch länger brach liegt.
AntwortenLöschenDas was du hier in diesem Beitrag schreibst, das ist dem so nah, was ich seit einiger Zeit bei der gleichen Arbeit empfinde. Ganz genau so!
Ulkiger Weise hab ich auch ein paar Jahre lang vorher über ne Ausbildung als Hebamme nachgedacht :D
Sterbebegleitung hab ich bisher noch nicht gemacht. Momentan bin ich ganz froh darüber, denn meine Oma mütterlicherseits ist vor ein paar Wochen gestorben, und ich reagiere gerade besonders heftig emotional darauf. Zum Glück sagte meine Vorgesetzte dazu, dass ich das auch erst machen soll, wenn ich mit dem Tod meiner geliebten Oma im Reinen bin und mich dazu bereit fühle. Ich hoffe, ich bin bald wieder bereit dazu, denn so wie du es beschreibst, denke ich auch darüber, genau das alles, wie du es schreibst, ist auch mein Antrieb.
Ganz allgemein liebe ich diese Betreuungstätigkeit und empfinde sie gar nicht wirklich als Arbeit, auch wenn es oftmals ganz schön anstrengend sein kann und ich bin glücklich, dass ich diesen Weg betreten habe.
Es kommt so wahnsinnig viel von diesen Menschen zurück. So viel Herzlichkeit, so viel Freude, und das Gefühl das Richtige im richtigen Moment getan zu haben, wenn man sie zum Lächeln oder gar zum Lachen bringen kann, manchmal ist es "nur" ein zufriedener Laut und zwei Seelen leuchten im Einklang. Wenn ein bettlägeriger Mensch spürt, dass jemand da ist, der ihm Zuwendung und Nähe schenkt und das verhärmte Gesicht sich entspannt. ...