One week to go.
Und dann kann ich diesen leidigen sakralen Aufreger für immer ad akta legen.
Mich sieht der Verein dann nicht mehr. Noch nicht mal, wenn ich 1,80 tiefer liege. Und dabei bin ich, Tochter zuliebe, wirklich offen an die Sache herangegangen.
Aber was letzte Woche im Konfiunterricht abging, ließ mich wieder eines Besseren belehren.
Tochter kam ganz außer sich nach Hause und verkündete, dass der Pfarrer sie (mal wieder) vor versammelter Konfimannschaft bloßgestellt hat und ihr verkündete, dass sie nicht konfirmiert werden kann.
Info am Rande: Der Pfarrer ist um die Vierzig, noch nicht so lange in Provinzitown und sieht zum Niederknieen aus. Aber sowas ist bekannterweise nicht alles.
Tochter also völlig neben der Spur und am Erzählen:
"Der meinte, dass mir noch zwei Gottesdienstpunkte und zwei Sozialpunkte fehlen und deshalb kann er mich nicht konfirmieren!"
Anmerkung am Rande: Die Kinder müssen innerhalb des Konfirmandenjahres 20 mal den Gottesdienst besuchen und 25 Sozialpunkte sammeln.
Anfangs statteten sie auch dem Altenheim, in dem ich arbeite, einen Besuch ab und wurden vom Heimleiter höchstpersönlich durch die Örtlichkeiten geführt, mit dem Hinweis, dass es supi wäre, wenn sie sich bei den alten Leutchen sozial etwas einbringen könnten.
Für mich war das ein Leichtes: Tochter ging einige Male mit mir mit und half unter anderem beim Ostereiermalen mit den Oldies. Das war praktisch, da wurde jede Hand gebraucht.
Eine Woche später ging sie nochmal mit. Es war Ostern und da ist es schon Tradition, dass wir unseren gutmütigen Hasen Felix mitnehmen und von den Bewohnern ausgiebig beschmusen lassen.
Davon abgesehen ging Tochter noch mindestens zweimal mit, als wir bei schönem Frühlingswetter Rollstuhlausfahrten zur örtlichen Eisdiele planten. Da wird jeder "Schieber" gebraucht.
Das finde ich sozial. Das ist christliche Nächstenliebe.
Der Pfarrer sieht das offensichtlich anders, denn er will meiner Tochter die "Sozialpunkte" im Altenheim nicht anrechnen. Begründung: Das Engagement sei nicht direkt für die Kirche.
Mir schwillt der Kamm!!! Und zwar gewaltig!!!
Sofort wollte ich zum Telefonhörer greifen und dem scheinheiligen Gottesanbeter sowas von die Meinung geigen, aber Tochter flehte mich beinahe auf den Knien an es nicht zu tun.
Ommmmmm.....Ich bin ein Gänseblümchen......ommmmm......ein ganz zartes und liebesvolles......ommmmmmm.....
Herr Pfarrer hat in anderer Sache schon Bekanntschaft mit mir gemacht und ist mir nicht so gut gesonnen.
Und wie man nun "Sozialpunkte" sammelt? Indem man für die Kirche die Kirchenveranstaltungsblättchen an die gläubigen Haushalte austeilt. Das ist sozial. So sozial, dass sich die Kirche teure Austräger spart.
Die Freundin von Tochter muss um ihre "Sozialpunkte" übrigens auch kämpfen. Ihre Mutter/meine Freundin gibt Volkshochschulkurse für Behinderte. Na denn. The same as here.
Die Geschichte ging aber noch weiter. Tochter wehrte sich und meinte, was daran nicht sozial sei alten Menschen bei schönstem Frühlingswetter eine Spazierfahrt zu ermöglichen.
Pfarrer gingen die Argumente aus und meinte daraufhin auf ihren "Kirchenpunkten" rumreiten zu müssen.
Ihr fehlen noch zwei Gottesdienstbesuchpunkte, die sie heute noch "absitzt" - einmal im Gottesdienst in der altenheimeigenen Kapelle und dieselbe Predigt nochmal in der örtlichen Kirche.
"Du weisst, dass du alle Gottesdienstpunkte vorweisen musst! Das habe ich am Elternabend auch gesagt, aber deine Eltern waren wohl nicht da! Wem soll ich anrufen und mich beschweren? Deinem Vater oder deiner Mutter?"
Aha. Jetzt wird das Kind auch noch bloßgestellt, weil die Eltern geschieden sind. Im Übrigen war ich bei jedem Elternabend und habe mich unter anderem zur Verfügung gestellt bei der Blumenschmuckgestaltung für den Gottesdienst mitzuhelfen. Aber offensichtlich leidet der schöne Herr Pfarrer an Alzheimer.
"Der stellt dich hin wie die letzte alleinerziehende Assimutter!"
Das Gefühl habe ich auch. Geschieden, aus der Kirche ausgetreten, abtrünnig.
Zuviel für den Gottesmann.
Merkwürdigerweise haben die Konfirmanden mit Eltern, die sich für die Kirchengemeinde einsetzen, bessere Karten. Da wird schon mal ein Auge zugedrückt und es darf jede zweite Konfirmandenstunde versäumt werden.
"Dann rufen Sie doch meiner Mutter an! Ab 18.30 Uhr ist sie zuhause."
Ich habe keinen Anruf bekommen und Tochter hat mir verboten anzurufen.
Aber sobald dieses Brimborium nächste Woche über die Bühne ist, wird er mich kennenlernen; telefonisch oder per Brief. Ist mir ein innerstes Bedürfnis.
Und das wird garantiert kein Akt christlicher Nächstenliebe!
Gib's ihm! Der Typ hat offenbar alles verdient, was er kriegt! Ich habe zu Ostern einen aufdringlichen, missionierenden Religionslehrer fertig gemacht. Es musste halt sein. : )
AntwortenLöschenManches ist für das eigene Überleben einfach nötig ;-)
LöschenGänseblümchen!
AntwortenLöschenAUS!
Hier wird nicht gebissen.
Eine Woche lass ich den Maulkorb noch an, aber dann wird zugebissen!
LöschenMeinem Sohn fehlen noch drei Punkte. Die schafft er nicht. Nächste Woche ist Konfirmation. Am vergangene Sonntag bin ich also mit zur Kirche und hab die Frau Pfarrer abgepasst. "Wird er konfirmiert? Wenn nicht, dann muss ich den Gästen nämlich absagen und brauch auch kein Geschenk", hab ich gefragt, bzw. gesagt. Sie hat gelächelt. Selbstverständlich wird er konfirmiert.
AntwortenLöschenLass dich nicht ärgern.
Nachtrag:
AntwortenLöschenIch will ein Foto vom Pfarrer sehen.
Ich merke gerade wieder: es war richtig, aus der Kirche auszutreten! Obwohl ich mich als christlich bezeichnen würde... Ich mich schon, das Bodenpersonal leider nicht (wo steht in der Bibel etwas von "Gottesdienst-" oder "Sozialpunkten"?! Hätte Jesus je darauf geachtet, ob die Huren und Zöllner auch ausreichend oft gebetet haben, bevor er sich zu ihnen setzte? Wie war das noch mit dm Kamel und dem Nadelöhr?) Da kommt einem doch die kalte Wut hoch, wenn man liest, wie sozial und christlich sich Deine Tochter verhält, was dann von dem "Diener Gottes" (?!) nicht anerkannt wird...
AntwortenLöschenLG Saskia
Schade, kein besonders toller Vertreter seiner Zunft. Das was die Mädels da Soziales gemacht haben, finde ich tausend Mal sozialer als Blättchen verteilen :-/
AntwortenLöschenHmmm, finde das nu eher inkonsequent...warum konfirmieren und sich erpressen lassen aber dann ne Woche spaeter auf die Kacke hauen? Das ist unecht und duckmaeuserisch und als solches nicht Dein Typ...
AntwortenLöschenAlso, sehr überzeugt scheint der Herr Pfarrer von seiner eigenen Arbeit nicht, seine Schäfchen zum christlichen Glauben zu erziehen und sie dafür zu gewinnen - wo gibt's denn sowas, "Gesinnungspunkte" als Voraussetzung? Die einzige gültige Vorschrift für die Konfirmation ist der Konfiunterricht, das ist irgendwie nachvollziehbar.
AntwortenLöschenDer Rest ist kontraproduktiv, vor allem, wenn es Zwang ist, wenn der ganze Bohei vorbei ist, wo bleibt dann der Kirchengedanke, wenn keine Überzeugung da ist?
Incompetencia honoris causa aluminium est, lieber Herr Pfarrer.
Erlaube mir die Anmerkung, dass ich Ini in ihrem Kommentar irgendwie zustimme, an Deiner Stelle würde ich dem Pfarrer gleich die Löffel lang ziehen und ihn frage, woher er sich das Recht nimmt, die Konfirmation zu verweigern, wenn der Konfiunterricht doch besucht wurde. Aber bitte nicht niederknien ... ;-)
Beginnen wir mit den wichtigen Sachen - Ich will wie Alex ein Bild von der Pfaffe. Nur um zu klären ob sich eine Umschulung lohnen würde. Und bezüglich der Gänsehecke.....fass ;-)
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