Montag, 6. April 2015

Konfirmation is a bitch!

Hochverehrte Gläubige, bitte mal geschmeidig weghören, aber Konfirmation is a bitch!
Die unsere zumindest. Eigentlich die ganzen drei - die, die ich schon überlebt habe und die, die noch folgen wird.
Nun bin ich ja aus diversen Gründen den beiden Landeskirchen nicht so gut gesonnen, aber was soll`s? Entweder ich bekomme Depressionen, weil ich meine gut gemeinte "Jeder Mensch darf/soll/kann glauben wasser will"-Erziehung im Weihwasser versenkt habe oder ich sehe der Tatsache in`s Auge, dass Töchterchen zu einem wahren Christenmenschen mutiert ist und dass sie den Rest ihres Lebens höchstwahrscheinlich im Kloster verbringen wird.
Aber erst, nachdem sie bei der Konfirmation genug Kohle für die heissersehnte Spiegelreflexkamera eingesackt hat.

Ich erlaube mir an dieser Stelle nochmal einen rückblickenden Zeitschlenker zu des Rebellens Konfirmation:
 Der Großteil der werten Exverwandtschaft verzichtete auf den langweiligen Teil des Kirchganges und empfing mich an diesem glücklicherweise sonnigen Tag (sonst hätte ich das Empfangskomitee in der Bude gehabt) schon grölend in Rippunterhemd und Bierflasche vor der Nase in meinem liebevoll (alles in weiß) dekorierten Vorgarten.

Onkel F. rammte seine Bierflasche mittig in meine selbstgeklöppelte Schwarzwälderkirschtorte, die zum Kühlen im Kühlschrank stand. O-Ton "Das Bier hier ist saichwarm!"

Mein persönlicher Proseccokonsum stieg, je weiter der Tag fortgeschritten war.

SM gab bevorzugt Unappetitliches von sich, während alle vom Buffet kredenzten.

Irgendjemand klaute die WMF-Kuchenschaufel meiner Mutter; ein Hochzeitsgeschenk ihrer Ex-SM.

Der Exgatte titulierte mich als überempfindlich, weil ich ausrastete, als sein Bruder F. auch noch meinen Frankfurter Kranz mit einer weiteren Bierflasche deflorieren wollte.

Ich könnte endlos weiterschreiben, wenn es nicht so traumatisch wäre und mich nicht triggern würde.

Heute bin ich die Verwandtschaft los. Und ich vermisse keinen einzigen dieser Proleten und falschen Schlangen. Die brauche ich heute so dringend wie ein Loch im Hinterkopf.

Aber nun ist ja Ende April die Konfirmation von Töchterchen und das Drama nahm schon vor Monaten seinen Lauf:
Lange vor Weihnachten machte ich meiner Tochter klar, dass ich keinesfalls und nur über meine Leiche ein Riesenbrimborium samt der Exverwandtschaft veranstalten werde. Sollte sie das wollen, kann sie sich mit ihrem Vater in Verbindung setzen und er darf gerne übernehmen.
Ich für meinen Teil werde dann nur den Konfirmationsgottesdienst besuchen und danach wieder von dannen ziehen.
Tochter wollte das nicht, denn Mama gehört ja schon irgendwie dazu.
Zur Unterbreitung der nächsten Variante nahm ich nach Monaten (Kontaktabwehr exgattenseits) Kontakt zu ihrem Vater auf. Ich unterbreitete ihm den Vorschlag die Feier im ganz kleinen Rahmen zu feiern: Tochter, ihre Brüder, er, seine Mutter, ich, meine Mutter, Tochter`s beste Freundin. Punkt.
Er wetterte los und meinte, dass das doch gar keine standesgemäße Feier sei. Als ich ihm dann aber die horrenden Kosten seiner vermeintlich dem Alkohol nicht abgeneigten Verwandtschaft vor Augen hielt und dass er die dann tragen dürfe, zog er doch den Schwanz ein.
Es folgten tagelang Vorschläge seinerseits, wie das Fest zu laufen hat.
Das Argument, dass Tochterkind nicht viel Kohle einkassiert, wenn auf die ganze Exverwandtschaft verzichtet wird zog bei mir nicht: Noch heute warten meine Söhne auf das Geld, weil man am Konfirmationstag "nicht flüssig war".

Dann ging Ex in den Sturmodus und verkündete, dass er gar nicht kommen will (was mir natürlich am liebsten wäre, aber für unsere Tochter täte mir das leid).
Tagelang war dann hier wieder Friedhofstimmung, weil Tochter das sehr traurig und zum Kotzen fand.
Sie wollte kein Wort mehr mit ihrem Vater reden. Also ich dann wieder per Whatsapp Kontakt aufgenommen und und und.....

Ich kann nur sagen: It sucks! Aber mächtig!
Ich bin froh, wenn ich diesen Tag überstanden habe und danach nicht in der Psychiatrie lande.
Reden will ich mal gar nicht vom Aufwand bis Tochter endlich das perfekte Konfirmationsoutfit hatte. Ich glaube, ich bin sämtliche Haute-Couture-Schmieden im Gäu abgefahren. Etliche Nerven mussten dran glauben, bis endlich das not-bitchy-not-omma-konforme Kleid gefunden wurde.
(Heiliger Strohsack, aber sie sieht darin wirklich bezaubernd aus).

So. Und jetzt erst mal einen Kaffee.
Ich werde sicher noch einiges zum Thema "Konfirmation" zu berichten haben...

10 Kommentare:

  1. Irgendwie habe ich die Befürchtung, daß es sich jetzt nicht um Satire handelt. Holy Shit.

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  2. Augen zu und durch!
    Danach kommen die Hochzeiten........Taufen......
    Ich bin ja schon ruhig!

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  3. Ohgottogott :/
    Da kann man ja echt nur Drahtseilnerven wuenschen. Nur nicht breitschlagen lassen.

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    1. Mit der richtigen Dosis Prosecco in the blood und einer gepflegten LeckmichamArschEinstellung geht das schon.
      Hab ja Erfahrung damit ;-)

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  4. Ich bin eine glückliche Atheistin. Aber was ich alles so höre und lese über Konfirmation, Kommunion uns Co. ....und der "Kurs davor...??? Was hat man davon? irgendeine Vorteile muss der Horror auch haben, sonst würden sich die Menschen es nicht massenweise freiwillig antun.

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    1. Frag mich nicht, welchen Vorteil es hat.
      Wahrscheinlich die Hoffnung auf reichlichen Geldsegen (was aber in diesem Fall nicht eintreffen dürfte).

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  5. Wenigstens Eine, die mal mit der Wahrheit rüberkommt.
    Danke - Lilybitch !!!
    LG - Wolf

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    1. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs....

      Gern geschehen!

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