Donnerstag, 2. April 2015

Passiert

Job:
Definitiv nicht mehr lange meiner.
Mir klingt noch der Satz des Psychologie-Dozenten, welchen er während meiner Fortbildung losließ in den Ohren "Wenn der Frust bei der Arbeit größer ist als die Freude daran, dann ist es Zeit zu gehen".
Es ist Zeit diesen Arbeitgeber zu verlassen.
Nachdem ich nun 15 (!) Monate 75% statt wie anfangs 50% arbeite und trotz anfangs Bitten und dann mehr massivem Druck machen immer noch keinen neuen Arbeitsvertrag habe, bin ich gestern im Büro von Heimleiter und PDL aufgefahren. Ich bekomme zwar die Differenz von 50 auf 75% als Überstunden ausbezahlt, aber mein Urlaubsanspruch misst sich an den 50%; will heissen: Ein Urlaubstag wird nur mit 4 Arbeitsstunden berechnet, was heisst, dass ich in`s Stundenminus rutsche und man mir die Stunden wieder aufbrummt und ich somit keinen freien Tag unter der Woche habe, wenn ich am Samstag arbeite. Riesensauerei.
Ich will jetzt nicht davon reden, dass mir die Arbeit im Kern nach wie vor Freude macht und ich sie mit viel Liebe und Engagement tue. Ich liebe meine Oldies und es ist die wundervollste Aufgabe ever ihnen zu zeigen, dass sie noch gebraucht werden.
Verheizen lasse ich mich nicht. Und Perlen vor die Säue werfe ich auch nicht mehr.

Gestern fuhr ich also im Chefbüro auf. Und kam mir vor wie die letzte Bittstellerin.
Sätze wie "Da sprechen wir nochmal drüber, wenn die Einstellungsphase neuer Betreuungskräfte beendet ist, im Oktober" fielen.
Ich hatte mich mental und informativ gut auf dieses Gespräch vorbereitet.
Offensichtlich hat er (ehemaliger Pfarrer) etwas gegen Alleinerziehende, denn er gab mir den "Rat" mich um ergänzende Sozialhilfe zu kümmern.
Hallo? Ich arbeite mir den Arsch ab, will nur gerecht bezahlt werden für das was ich arbeite und bekomme das vor den Latz geknallt!?!
Gestern war der 1. April und ich meinte zu ihm, dass das nur ein Aprilscherz sein kann. Nein, war es keiner.   
"Sie haben doch auch ein eigenes Haus und Mieteinnahmen." (Er weiss das, weil meine Mieterin ebenfalls dort beschäftigt war.)
Ja, hab ich. Ich habe ein Haus auf dem ich einen Arsch voll Schulden habe und ich kann schlecht den Kitt von der Wand abkratzen und es meinen Kindern zum Mittagessen servieren.
"Wenn das so ist, weiss ich, was ich zu tun habe. Ich werde mir etwas anderes suchen. Glauben Sie mir: Erzieherinnen sind gesucht."

Gedemütigt, wütend, traurig und ausgebrannt verließ ich das Büro. Ich hörte noch den eigentlich erwarteten Satz "Der Vertrag läuft ab Mai. Bringen Sie morgen einen schriftlichen Antrag", aber er tangierte mich nicht mehr. Mein Stolz wurde mit Füßen getreten und ich fühlte mich, wie so oft in letzter Zeit, ausgebeutet, missachtet und gedemütigt.
Die Alleinerziehende hat sich doch selbst in diese Lage gebracht.
Selber schuld, wenn sie sich von ihrem Versorger trennt.
Ich mutiere noch zur Kampf-Feministin. Und glaubt mir, dafür hab ich genug Pfeffer und Power im Hintern!
Gestern hatte ich es nicht mehr. Ich sollte fünf Bewohnern (alle bettägerig und zum Teil schon fast im Nirwana) innerhalb einer Dreiviertelstunde das Frühstück "reichen". Nicht schaffbar. Selber schuld, weil ich ja während meiner Arbeitszeit unnütz im Chefbüro saß.
Als ich in`s Zimmer zu Frau E. kam, eine Handvoll Mensch von gerade noch 27kg, die nicht mehr leben und geschweige denn essen will und sie mich mit großen Augen eindringlich anschaute, bin ich zusammengeklappt. Heulkrampf. Die Unsinnigkeit meines Tuns gab mir den Rest.
Eine Pflegekollegin nahm mich in den Arm und ich erzählte ihr meinen ganzen Frust, den ich gerade erlebt habe. Sie riet mir die Füße in die Hand zu nehmen und zu gehen, um mir andere Arbeit zu suchen...
Als PDL auf dieser Station später vorbeischaute und fragte, ob mit dem Frühstück alles geklappt hätte, meinte meine Pflegekollegin zu ihr, was sie mit mir gemacht hätten, weil ich unendlich wütend und traurig war.
Ihre Antwort, obwohl sie beim Gespräch dabei war: "Ich weiss von nichts".
Auf in die Bewerbungsphase!

Taufe und Konfirmation:
Jede geschiedene Mutter wird es bestätigen können: Konfirmation im Kreise von zwei getrennten Verwandtschaften is the Hell!!!
Ich bekomme Wallungen und Panikattacken, wenn ich an den 26. April denken muss.
Mit Exmann und SM an einem Tisch, wo der Kerl es noch nicht mal fertigbringt einen Satz mit mir zu reden, geschweigedenn über die anstehende Festivität....und die anstehenden Kosten (offtopic: Ein passendes Outfit für eine modebewusste Vierzehnjährige zu finden gleicht einer Unmöglichkeit. Die Kostümierung für die wählerische Diva muss erst noch erfunden werden, sie darf weder ommamäßig noch bitchig sein.).
Ich hoffe, der Tag möge schnell vorübergehen.
Über Tipps wie ich mit bewusstseinsvernebelnden Drogen chillig, mit einer gewissen LeckmichamArsch-Einstellung durch den Tag komme, wäre ich sehr dankbar.
Alkohol lehne ich ab,

denn .... dann wären wir schon beim nächsten Thema,

Der Musiker:
Seit zwei Wochen ohne Kontakt.
Habe ein neues Smartphone, welches ich clean halten will und deshalb auch nicht die Whatsapp-Nachrichten von ihm vom alten Handy überspielt habe.
Blockiert habe ich ihn außerdem und auf F*cebook gleich mit.
Und ich ziehe das dieses Mal durch, auch wenn ich mich wie gestern, schwach und anlehnungsbedürftig fühle.

12 Kommentare:

  1. Ähhmmm.....ExPfarrer oder ExPastor?
    Egal, Arschloch bleibt Arschloch.
    Ich drück Dich!

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  2. Pfarrer.....
    Aber hast recht. Spielt keine Rolle.

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  3. Liebe Frau Lilly,
    auch, wenn du dich vielleicht gerade schwach und anlehnungsbedüftig fühlst ziehe ich meinen Hut vor dir, wie stark Du bist.
    Das muss man alles erstmal fertig bringen und Wut ist in diesem Fall kein Zeichen von Schwäche.
    Du bist eine großartige Frau und ich wünsche viel Erfolg bei der Suche eines neuen Arbeitgebers, der deinen Einsatz vernünftig würdigt.

    Alles Liebe vom Zirkuskind (was in Ihrem katastrophalen letzten Jahr gemerkt hat, dass Sie irgendwie nicht so stark wäre...)

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    1. (((Danke)))

      Fühle mich momentan gar nicht stark. Ist eher so, dass ich mir mantramäßig einrede, dass ich es bin.
      Mich haut jede Kleinigkeit um und ich bin nur am Heulen.
      Bin froh, dass ich mich 4 Tage verbarrikadieren kann ...außer am Samstag...Da wird in der Osternacht meine Tochter getauft und ich "darf" auf Exmann samt neuer Lebensgefährtin treffen, die nun beide (auch aufgrund geringem Intellekts und geringer Ansprüche aneinander) in einer glücklichen Beziehung sind.
      Was soll`s: Den Dummen gehört die Welt.....

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  4. Liebe Lilly,

    du bist eine starke Frau, du meisterst dein Leben, deinen Beruf und bist für deine Kinder da! Nirgendwo steht geschrieben, dass sich starke Frauen nicht auch mal schwach und anlehnungsbedürftig fühlen dürfen, schließlich ist dieses Leben kein Pappenstiel.

    Liebe Grüße Tanja

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  5. Ich wünsche dir, dass du ganz schnell einen neuen Job findest, der dir Spass macht, der dich erfüllt, der dir neue tolle Kollegen bringt und wo das Geld stimmt. Du bist doch eine starke Frau. Ich kann mir vorstellen, dass es im Moment nicht einfach ist, dass alles zum Kotzen ist, aber es kann nur besser werden.
    Frohe Ostern! Lg Niggelo (Kerzenschein und Rotwein.wordpress.com)

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    1. Jepp. Alles andere als einfach...

      Ich danke dir .... und werde gleich mal bei dir vorbeischauen ;-)

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  6. Leider wie sooft das gleiche. Nächstenliebe heucheln und selbst keinen deut besser. So scheint Kirche mal zu sein. Das packst du. Und bezüglich der Feiern die du planst. Schau mal bei Juliane vorbei, die hat eine tolle Anleitung geschrieben wie du die feste Meisters wie Sie fallen ;-)

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    1. Oh ja, da war ich schon.
      Da kann ich leider katastrophentechnisch nicht mithalten *ggg*, aber es tut gut zu wissen, dass man nicht alleine ist ;-)

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  7. Ich wollte dir auch einen Gruss dalassen. Manchmal ist einfach alles zum Kotzen. Und dass man dann nur noch heulen will, ist doch ok. Aber schaffen tust du es. Ich wuensch dir alles Gute!

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