Samstag, 18. April 2015

Mama ist stolz!

Ich vergesse niemals wie ich damals, vor 14 Jahren, wie ein Häufchen Elend im kalten Sprechzimmer des Sozialpädiatrischen Zentrums des Kinderklinikums saß und mir der Professor in Weiß die unerschütterliche Wahrheit in`s Gesicht schmetterte:
"Anhand der ausführlichen Testungen und Untersuchungen muss ich Ihnen sagen, dass ihr Sohn eine Behinderung am Rande zur leichten Debilität hat...."

Den Rest nahm ich nur in Wortfetzen wahr: Unselbstständigkeit...... kein Schulabschluss.....Behindertenwerkstatt....lebenslanges Angewiesensein auf mich und andere Betreuungspersonen.....

Fuck the Authority !

Der Kerl hat einen regulären Schulabschluss, hat sein erstes Ausbildungsjahr bald hinter sich, wird im Betrieb geschätzt, ist motiviert. Die Berufsschule besucht er zwar unter Gemotze, aber regelmäßig. Er ist verliebt und hat eine schnuckelige, taffe Freundin und:

Er hat seit gestern den Führerschein!

Mama ist stolz.

11 Kommentare:

  1. Da kannst du auch stolz sein! Mehr als stolz!
    Weiss dein Sohn eigentlich von dieser komischen Diagnose, die man damals gemacht hat? Das war doch ein Versehen. Manche Ärzte wissen gar nicht, was sie einem mit solchen Reden und Getue antun. Bei meinem Grossen wurde vor einem Monat in der Notaufnahme eine Allergie diagnostiziert, wir sollten mit einer Cortisonsalbe behandeln...aber wie es sich nach ein paar tagen herausstellte, hatte er schon eine riesige Gürtelrose, die mit Hilfe des Cortisons nur so aufgeblüht ist. Da diese Gürtelrose auf der Kopfhaut war, war es noch doppelt gefährlich, es hätten sich noch alllerhand andere Folgeerkrankungen entwickeln können. Ich war so sauer auf diesen Arzt der Notaufnahme, habe bei der Krankenkasse Meldung gemacht. Doch es hilft nichts: Keine Krähe hackt der anderen ein Auge aus.
    Schönes Wochenende und gute Fahrt! Niggelo

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    1. Ja, er weiss zwischenzeitlich von der falschen Prophezeiung. Irgendwann mit 16 wollte er die Arztberichte lesen.
      Er spürte ja schon immer, dass er "anders" behandelt wurde, spätestens als er die Förderschule besuchte.
      Dafür habe ich ja damals auch gekämpft, dass er diese besuchen darf - und sie gab ihm den richtigen Start.
      Ich will nicht alles in Frage stellen, aber ohne diese niederschmetternden, selbstgefälligen Pauschaldiagnosen wäre uns so einiges erspart geblieben.

      Cortisonsalbe...da bekomm ich Hals! Scheint die Allroundwaffe zu sein, wenn man sich keine Mühe machen will genauer hinzuschauen.
      Ich hatte ja um Weihnachten herum selbst eine Gürtelrose im Gesichtsbereich und weiss um die Folgen, die hätten eintreten können.
      Hoffe, es ist bei deinem Großen alles glimpflich verlaufen....

      Oh ja! Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus! Das kenne ich zur Genüge.
      Dennoch finde ich es wichtig und richtig, dass du Meldung gemacht hast!

      Dir und deinem Sohn alles Liebe und vollständige Genesung!

      Lilly

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  2. Liebe Lilly, wenn ich Deinen Post lese, wird mir sofort übel - und es ist genau dieses Gefühl wie ich es damals hatte, vor 19 Jahren. Mein Großer war damals 6, gerade in die Schule gekommen, und man bescheinigte ihm aufgrund von ausgiebigen Tests etc. "eine Intelligenz untersten Durchschnitts, Schulbildung nicht möglich, maximal Hilfsschule, und das sofort, um das Kind nicht unnötig zu überfordern."
    Damals bin ich auch ganz schön tief gefallen. Meine Mum, damals noch Erzieherin, den Jungen jeden Sommer über bei sich gehabt, sagte zu mir: "Mir ist nie irgendwas in dieser Art an ihm aufgefallen, ganz im Gegenteil. Sage nichts in der Schule und warte ab, ob die Lehrer auf dich zukommen."
    Sie kamen nicht.
    Ich wandte mich an die Uni-Kinderklinik, dort wurde er noch mal untersucht: keine Hinweise. Erst da erwähnte ich den vorangegangenen Test und wie erleichtert ich doch jetzt sei. Da wurde mir wortwörtlich gesagt: "Ach so ist das? Der Test ist schon mal gemacht worden? Nun, vielleicht sollten wir unseren Test wiederholen." - "Warum, wenn dieses Ergebnis doch keinen Hinweis liefert?" - "Sie könnten ihn aber wenigstens auf die Sprachheilschule schicken." Zur Erklärung: Sohnemann dachte als Kind schneller als er sprechen konnte und verhaspelte sich oft. Das ist jedoch kein Intelligenzmangel, alles andere auch in Logopädensitzungen übbar. Damals bin ich aufgestanden und gegangen.
    Heute hat er einen wirklich guten Realschulabschluss, zwei abgeschlossene Ausbildungen und einen Führerschein.
    Heute nehme ich nichts mehr einfach so als gegeben hin. Nicht was solcherart Diagnosen betrifft.

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    1. Liebe Helma,
      Wenn ich dein Geschriebenes lese und mir meiner Erfahrungen bewusst bin, dann weiss ich, dass ich heute wesentlich entspannter an die Sache herangehen würde.
      Wie viel Zeit ist mir genommen worden, in der ich mein Kind nur noch als "Problemfall" sah, dass man bestmöglich therapieren und "gesellschaftsfähig" machen muss.
      Ja, ich nahm alles als gegeben an, weil die anderen ja die "Experten" waren...
      Und weisst du was? Ich schäme mich heute dafür. Habe diesbezüglich auch schon viele Gespräche mit meinem Sohn geführt.
      Bezeichnenderweise ging es uns allen besser, als ich die ganzen Therapien irgendwann abbrach.

      Übrigens: Deine Mutter ist eine kluge Frau ;-)

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  3. Gut gemacht Frau Lilly!
    Ick hab mir jestern janz schön für Sie jefreut!
    Knuff den Rebeln von mich!

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    1. Dat hat der Rebell gut gemacht!
      Wenn er vom Feiern zurück ist, knuff ich ihn von dir ;-)

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  4. Wenn ein Mensch geliebt aufwachsen darf und kann, wird sowieso alles gut, egal ob er auf eine Förderschule oder aufs Gymnasium geht. Es ist so unwichtig, ob er eine solche oder solche Ausbildung hat. Die Hauptsache ist, dass er sein Selbstwertgefühl behält, und sich geliebt und beschützt fühlt, gerade weil er irgendwie anders funktioniert. Dann wird zwar vielleicht kein Doktor oder Anwalt draus, aber dafür etwas anderes, und die brauchen wir auch.
    Niemand muss einen Weg gehen, den andere von einem erwarten.
    Auch wenn der Weg holprig und mit Umwegen ist...das Wichtigste ist, sich so angenommen zu fühlen, wie man ist. Für sein bloßes Dasein geliebt wird.
    Hast Du gemacht, und siehste, was dabei herauskommt :D
    Fester Drücker!!!
    LG Eva

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    1. Dem gibt es nichts hinzuzufügen, Eva....

      Und jetzt hab ich Pipi in den Augen, weil du es so auf den Punkt bringst *schnief*

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  5. Und mit was stolz......mit RECHT ;-)

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  6. Super - da kannst Du auch so was von stolz sein auf den Kerl, aber auch auf Dich als Mutter :)

    Und das mit der Konfirmation, das bekommst Du auch noch ueber die Buehne.

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