"Wenn das schlechte Gefühl bei der Arbeit die Freude daran überschattet, dann ist es Zeit für eine Veränderung."
O-Ton meines Dozenten Ende letzten Jahres.
Der Schatten ist groß. Sehr groß. So groß, dass ich unter ständiger Anspannung stehe und nachts nicht mehr schlafen kann.
Trotz der beruhigenden Sicherheit den hartumkämpften Aufstockungsvertrag endlich unterschrieben zu haben.
Gestern brachte ein Vorfall meine Toleranzgrenze zum Überkochen:
Seit Wochen nun schon bin ich nicht mehr regelmäßig bei "meinen" Oldies eingesetzt, sondern im Nebenhaus auf den Stationen, weil die dortige Kollegin auf unbestimmte Zeit wegen Krankheit ausfällt. Diverse neue Kolleginnen werden von meinen beiden Vorgesetzten im Haupthaus eingearbeitet und ich als "alter Hase" soll im Nebengebäude die Stellung halten.
Die Bewohner dort kenne ich inzwischen recht gut, ich habe mir Informationen eingeholt, ihre Biografiebögen studiert und sie sind mir sehr an`s Herz gewachsen.
Was mich ankotzt ist, dass ich immer und immer wieder der Prellbock zwischen Stationsleitung und meiner unmittelbaren Chefin bin.
Gestern folgender Vorfall: Ich bin mit nagelneuer Kollegin im Nebengebäude zur Gymnastik eingesetzt. Sie arbeitet den dritten Tag, soll bei mir zuschauen und mithelfen. Sie kennt sich in der Materie aus, da sie schon sowohl in der Pflege als auch in der Betreuung gearbeitet hat.
Vorher bespreche ich mich nochmal mit meiner Chefin über zwei Bewohnerinnen. Eine hat sehr abgebaut, sie klagt über Schwindelanfälle, ist desorientiert und die Gymnastikstunde davor schwankte sie auf dem Rückweg auf den Wohnbereich wie ein Schluck Wasser in der Kurve, sodass ich sie huckepack auf den Rollator setzen musste, um sie zu transportieren.
Sie geht aber unheimlich gern in die Gymnastik und ist sehr gesellig und bewegungsfreudig.
Letztendlich bekam ich von meiner Chefin die Anweisung sie momentan nur im Rollstuhl in den Gymnastikraum zu transportieren, was absolut vernünftig ist.
Ich nun auf Wohnbereich angekommen, als mir eine Pflegekraft mit Frau X, wackelnd wie ein Dampfer auf extremem Seegang, entgegenschwankte.
"Äh, so kann ich Frau X nicht mitnehmen."
"Wieso? Sie ging doch immer mit."
"Ja, aber ihr Allgemeinzustand hat sich verschlechtert und ich darf sie nur noch im Rollstuhl mitnehmen."
Inzwischen kam die Stationsleitung hinzu und meinte, dass ich doch bei ihr an der Seite laufe, sie stützen könne und dass wir heute sogar zu zweit seien.
Ich entgegnete, dass ich klare Anweisung von meiner Chefin bekommen habe, Frau X nicht am Rollator, sondern im Rollstuhl mitzunehmen.
Dann bekam ich die volle Breitseite, dass meiner neuen Kollegin nur noch der Mund offenstehen blieb:
"Ich bin hier die Stationsleitung! Ich kenne meine Bewohner am besten! Und ich bin weisungsbefugt!"
Verdammtnochmal! Das ist nicht das erste Mal, dass ich zwischen die Räder sich rivalisierender Kompetenzen komme: Egal, wie ich es mache, ich kann es nie richtig machen. Nehme ich Frau X entgegen der Anweisung von direkter Chefin trotzdem ungesichert mit bekomme ich Ärger, setze ich sie in den Rollstuhl bekomme ich die Klatsche von der Stationsleitung.
Arschkartenzug erster Güte.
Die Diskussion ging noch eine Weile weiter, bis ich die Nase voll hatte und meine Chefin anrief. Sollen doch die beiden sich um ihre Kompetenzen balzen - und mich in Ruhe zu meinen Bewohnern in die Gymnastik lassen, die eh schon 10 Minuten zu spät begann.
Die Gymnastikstunde an sich war schön. Die neue Kollegin ist klasse und hatte viele neue Ideen, was man mit dem Schwungtuch anstellen könnte. Alles paletti.
Frau X ließ ich auf ihrem Wohnbereich, über sie diskutierten ja meine beiden Vorgesetzten.
Als die Stunde zu Ende war und die Bewohner wieder alle versorgt waren, ging ich in`s Haupthaus und traf meine Chefin.
Erwartet hätte ich, dass sie hinter mir und vor allem hinter ihrer eigenen Anweisung an mich steht.
Pustekuchen.
Es sei alles ein "Missverständnis" gewesen, blablabla..... Ich hätte die falsche Pflegekraft gefragt (hä?) ... man hätte toleranter sein können (also ich) .... und Stationsleitung hätte geäußert, ich hätte "freche und patzige Antworten" (Hallo? Ich bin 47 und keine Grundschülerin) gegeben....
Aha. Danke für die Loyalität. Hier biste nur was, wenn du dich wie das Fähnchen im Wind drehst.
Bin ja nur eine kleine, unbedeutende Betreuungskraft, der Depp vom Dienst. Ich kann ja rein gar nix. Riesenverantwortung zwar, aber der Boxsack für sich rivalisierende Kampfhennen.
Nee danke. Die Schatten werden zu groß. Trotz sicherem Arbeitsplatz bei einem städtischen Träger.
Ich verbiege mich nicht!
Könnt Ihr vergessen!
Umärmel
AntwortenLöschen"Seufz"
LöschenWie bescheuert ist das denn?
AntwortenLöschenAber ja, das Prinzip kenne ich auch, zwischen zwei Kompetenzen eingequetscht zu sein und mit jeder möglichen Handlung zwangsweise falsch zu liegen.
Das Verhalten deiner direkten Chefin finde ich kindisch und unprofessionell. Jedoch - wie heißt es schließlich? Scheiße fällt nach unten, so ist das leider noch zu häufig.
Es mag schade um die Bewohner sein, die dir ans Herz gewachsen sind. (Komische Redewendung eigentlich. Ans Herz gewachsen...Ich schweife ab)
Jedoch ist es langfristig weder für sie noch für dich gut, wenn du dich auf Arbeit nur noch shclecht fühlst, weil du als Punchingball missbraucht wirst. Das geht an die Substanz, beschäftigt dich auch in deiner Freizeit und wenn's ganz doof kommt, gerätst du langsam und schleichend in eine Abwärtsspirale. Das ist kein Job wert, finde ich. Das Leben ist dafür zu kostbar und zu kurz.
Ich wünsche dir alles Gute!
Ich kann jedes Wort von dir unterschreiben und dass ich erst jetzt antworte, hat einen Grund: ich habe den Vorfall jetzt einige Tage verdrängt, weil er mich so belastet hat. Jetzt auf Abstand geht`s wieder.
LöschenEs herrscht leider das Prinzip "Nach oben buckeln, nach unten treten" und das geht mir gewaltig gegen den Strich.
Zudem fühle ich mich einfach nur ausgelaugt. Niemand kann auf Dauer nur geben und die Starke mimen.
Ich danke dir!
Also, Vollpfosten hin, Vollpfosten her, die Damen haben wohl ein soziales Problem mit sich und der Welt. Vielleicht findest Du für Dich bei ihnen Schwächen, über die sie manipulierbar sind und Du Dir Deinen Freiraum schaffen kannst. Alte Menschen zum Spielball der Kompetenzen machen, wo gibt's denn sowas.
AntwortenLöschenDer Rest am Job scheint ja weitgehend zu passen, was ich so lese, Aufgabe passt, Bezahlung passt, Du bist auch schon 47, die Gesamtbilanz muss natürlich positiv sein. Falls dies so ist, die Emotionen beiseite lassen - it's only business -, Dir Deinen Teil denken und durchaus auch sagen, um Pflöcke einzurammen.
Falls sie dann Deine Arbeitskraft immer noch nicht schätzen, dann, ja dann kann's immer noch Zeit werden.
Sagen wir mal so: Jeder ist ersetzbar, ob mit 47 oder 27.
LöschenWenn du mir das Rezept für das "Businessdenken" hast...Her damit! Ich krieg das nämlich nicht gut sortiert.
Bin sehr emotional, mein Job ist emotional...er lebt von meinen Emotionen. Wie sollte ich das also ausklammern können?
Ich geb dir recht: Die alten Menschen können am wenigsten dafür...
Das Original-Zitat des Dozenten ist vollkommen richtig.
AntwortenLöschenIch habe im Lauf meines Lebens genau so gehandelt, und es war immer richtig.
Daher: Handle, aber handle bald!!!
LG - Wolf
Werde ich.
LöschenErste Schritte hab ich eingeleitet.
Super - Du kannst ganz doll stolz auf Dich sein!!!
LöschenNur, dann musst Du aber anders gucken wie auf dem Bild - ich bekomme dabei eher weiche Knie...
*Lach* Liebe Grüße - Wolf
Das hoert sich sehr frustrierend an. Und auch als haettest du bereits eine Entscheidung getroffen. Und ich kann mich nur anschliessen: das Leben ist zu kurz als sich staendig so aergern zu muessen. Wuensch dir alles Gute fuer die naechsten Schritte!
AntwortenLöschenDanke.
LöschenJetzt auf Abstand gesehen, sehe ich vieles klarer...
Oh man, das liest sich echt beschissen...
AntwortenLöschenIch bin so froh, dass meine BT-Vorgesetzte so hinter uns steht. Die lässt nichts gegen uns sagen. Da können die anderen aus der Pflege sich noch so "beschweren".
Bewirb dich doch bei mir im Haus :)
Ja ich weiß, ist bissl weit...
Aber verdammt, du bist gut und ich bin mir sicher, dass du zu uns passen würdest.
Wenn du willst, schreib mich doch im FB an oder ruf mich an. Wir stellen scheinbar noch ein.
Isabella, das ist beschissen! Sowas von!
LöschenStändig wird erwartet, dass wir selbstständig arbeiten, mache ich Verbesserungsvorschläge, die ich sogar schriftlich ausgearbeitet habe, werden sie ignoriert und im Keim erstickt.
Schön klein gehalten wird man, obwohl man mehr auf dem Kasten hat.
Immerhin arbeite ich dort schon über 3 ahre, habe dazugelernt und Erfahrungen gesammelt.
Ja, wenn es nicht so weit weg wäre *grins*
Wir würden uns sicher gut verstehen - beruflich und privat ...habe ja einige gemeinsame Interessen *grins und schmunzel*.
Ich schreib dich an.
Lilly