Sonntag, 24. Mai 2015

Umzingelt von Bekloppten

Die erste 6-Tage-Arbeitswoche nach Knockout liegt hinter mir und ich bin froh, dass ich inklusive heute 3 Tage frei habe.
Der Druck auf Arbeit ist immens und das geht nicht nur mir so: Mitarbeiter aus allen Bereichen kommen an ihre Grenzen, werden krank, fallen aus, müssen durch Mehrarbeit der anderen aufgefangen werden, welche auch krank werden, weil  irgendwann Schicht im Schacht ist.

Meinen Traum mich professionell im Bereich Validation ausbilden zu lassen musste ich begraben: Zu teuer. Nicht machbar. Ich habe mich auf einer Fortbildung lange mit der Validationslehrerin unterhalten, aber ohne sicher verdienendem Ehemann im Background während der Ausbildung hätte sie es finanziell nicht stemmen können.
Momentan habe ich keine Energie mich intensiv um Alternativen zu kümmern. Zu kaputt.
Kleiner Lichtblick: Ich darf ab nächste Woche zusammen mit einer Kollegin die beiden Validationsgruppen im Haus leiten und lese mich gerade durch sämtliche Fachbücher. Aber mein Kopf ist alles andere als frei. Zuviel lastet auf den Schultern. Gedanken springen hin und her und ich kann momentan keinen einzigen zu Ende denken.
Selbst das Bloggen habe ich verlernt und es macht mich verzweifelt, dass ich für nichts die passenden Worte finde.

Der Umgangston auf Arbeit ist dermaßen barsch und unangemessen, dass es mich nicht mal mehr wütend sondern nur noch sprachlos macht.
Vorgestern leitete ich mit einer neuen Kollegin die Gymnastikgruppe am Morgen. Da sie ab nächster Woche diese selbstständig leiten soll, musste ich mich im Hintergrund halten und nur unterstützend wirken.
Nach der Stunde habe ich ihr gesagt, dass sie zuerst die Bewohner der Demenzstation zurück auf ihren Wohnbereich bringen soll: Weglauftendenz, keine Sekunde aus den Augen lassen.
Plötzlich standen aber um die 10 Bewohner vor dem Aufzug. Sie hatte alle auf einmal aus dem Gymnastikraum geholt und begründete das, dass alle signalisiert haben, dass sie SOFORT gehen wollen. Klar wollen sie das. Ich kenne meine Pappenheimer. Ist in manchen Dingen nicht anders als im Kindergarten. Und bei einer Neuen kann man prima austesten.
Nun war aber in dieser Situation nicht angebracht das mit der neuen Kollegin auszudiskutieren, während kreislaufschwache Bewohner am Rollator schlackrige Knie bekommen und zusammenknicken. Also Ruhe bewahren, Stühle herbeischaffen und die Situation retten, indem man die Menschen vor dem Aufzug auf die Stühle sitzen lässt. Zum Erklären ist danach noch Zeit, wenn alle wieder sicher auf ihren Wohnbereichen sind.
Die Situation überspielt und mit den Oldies noch geschäkert, dass wir jetzt eben wie in einer Bahnhofshalle auf den Zug warten. Alles im grünen Bereich. Würde nix bringen, wenn ich die verunsicherte neue Kollegin zusammenstauchen würde. Hätte eskalieren können.

In diesem Moment kam *verdammtnochmal* meine BT-Chefin vorbei. Sie sah die Bewohner vor dem Aufzug sitzen und ist komplett ausgerastet.
Vor den anderen, inklusive meiner neuen Kollegin, hat sie mich zur Sau gemacht. Ich hätte momentan die Leitungsposition, ich würde den Fluchtweg versperren, ich könnte mich nicht durchsetzen usw.
Wie Rumpelstilzchen hat sie neben mir rumgehampelt.
"Ja, du hast recht! Ich muss mich durchsetzen lernen! Gegen dich!"
Ich entgegnete, dass ich jetzt zuerst die Bewohner versorge und dann können wir reden.
Und ich ließ sie stehen. Dann folgte eine Schimpftirade auf meine neue Kollegin (die übrigens wieder gehen will; warum wohl?).

Oben in unserem Büro angekommen ging die Diskussion weiter und sie ließ mich kaum zu Wort kommen. Ich verbot mir allerdings ein für allemal, dass sie mich vor anderen und vor allem vor den Bewohnern so bloßstellt. Mein Vorhaben, das Geschehene mit meiner neuer Kollegin danach in aller Ruhe zu besprechen, interessierte sie nicht. Es kam einfach nicht bei ihr an.
Sicher hat auch sie Druck von der Heimleitung. Sicher trägt sie die Hauptverantwortung, aber ich werde definitiv nicht in das System "Nach oben kuschen, nach unten treten" miteinsteigen.
Neverever! Das bin nicht ich.

Ich habe also die letzte Zeit sehr viel darüber nachgedacht einiges in meinem Leben zu ändern, damit ich nicht draufgehe. Beruf ist die eine Sache - Privatleben die andere.

Meine zwei Pubertiere rauben mir den letzten Nerv. Ja, ich weiss, dass es für die Ablösung von den Eltern, in meinem Fall: von der Mutter, extrem wichtig ist, dass man sich auflehnt und aufbegehrt, aber das Klo/die Spülmaschine/die Katakombenin den oberen Stockwerken müssen trotzdem auf einen humanen Zustand gebracht werden.
Auch muss der Rebell lernen, dass man per Internet nicht einfach seine Bankdaten preisgibt *kopfklatsch*, um Mitglied in einem Auto-Tuningclub zu werden, welcher einem im Quartal 36 Euro für ein zehnseitiges Heft abzockt (obwohl man noch gar kein Auto besitzt).
Ja, 18 sein ist kein Spaziergang und nicht alles, was man jetzt rechtlich darf (especially Verträge abschließen) kommt gut und dann schreit man kleinlaut nach der Mama, die das Ganze wieder richten soll.
Und das ist jetzt nur ein Bruchteil dessen was man Lustiges mit Pubertieren erleben kann.
Die Betroffenen wissen wovon ich rede.

Irgendwann in meiner Verzweiflung letzte Woche fiel mir ein, dass die Kinder auch noch sowas wie einen ähm....wie nennt man das? ....Vater?....haben.
Und da ich eben diesen die letzten Monate komplett vom Schirm hatte, auch zugunsten der Konfirmation, die ich Tochter zuliebe ohne Streitereien über die Bühne bringen wollte, dachte ich mir, dass es an der Zeit ist ihn auch mal wieder an seine Kinder zu erinnern.
Er hat sich komplett abgeseilt, seit der Konfirmation vor fast einem Monat haben die Kids nichts mehr von ihm gehört.

Ich habe vor am 6.6/7.6. zu meiner Freundin nach Stuttgart zu düsen um mit ihr einen Tag in einem Wellnesstempel zu verbringen. Das hab ich bitternötig. Innerlich und äußerlich.

Ich also den Kindsvater angeschrieben:
Hallo R., Da du dich nicht mehr meldest und nicht mit mir kommunizieren willst, folgende Info: Ich verreise am 6.6./7.6. und du solltest dich um die Kinder kümmern. Keine Dauerüberwachung, sind ja alt genug, aber die Verantwortung übernehmen und Ansprechpartner an diesem Wochenende sein.

Die Antwort kam eine knappe Stunde später und war völlig diffus:
Was willst du? Ich bin für die Kinder da wenn sie mich brauchen. Sie können sich bei mir melden, sie haben meine Nummer und sie wissen wo ich wohne. Ich fasse es nicht! Las mich einfach nur in ruhe. Zahle jeden Monat, hab dir alles überlassen!

Ähm ja, ist genau das, was ich wissen wollte. Da ich ja nun mittlerweile weiß, dass mein Exmann kein Gehirnakrobat ist, antwortete ich (ohne Hoffnung, dass er es kapiert):

Ich wollte lediglich eine klare Zusage, dass du an diesem besagten Wochenende die Verantwortung übernimmst, wie du das EIGENTLICH jedes zweite Wochenende tun solltest. 
Im Übrigen brauchen dich die Kinder öfters als du denkst. Sie leiden unter deinem Desinteresse.
Kinder erziehen heisst nicht nur "da zu sein, wenn sie sich melden" ....und ganz tief in dir drin weisst du das ganz genau. Im Übrigen hast du mir "alles" freiwillig überlassen....besonders die Verantwortung für unsere Kinder. Zeigt mir aber, dass du das immer noch nicht trennen kannst. Oder glaubst du, es ist einfach vom Himmel gefallen, dass E. seine Ausbildung durchzieht? Da steckt sehr viel von mir dahinter. Oder dass N. so selbstbewusst  und zielsicher geworden ist? Kommt auch nicht von ungefähr. Und nein, ich lass dich nicht in Ruhe. Ich kann mich erziehungstechnisch auch nicht zur Ruhe setzen. Wir haben BEIDE die Verantwortung! Nicht nur ich!

Des brauchst du mir nicht sagen! Ich kann au nichts dafür, dass sie gerade nicht so viel bock auf mich haben. Ich bin für sie da, wenn sie mich brauchen. Außerdem sind sie in diesem alter viel lieber mit ihren freunden zu sammen. Du lässt mich von jetzt an, einfach in Ruhe. Du gehst mich nichts an und ich gehe dich nichts mehr an. Ich werde für sie da sein wenn sie mich brauchen und das wissen, was du denkst ist mir egal!

Ich hab nur eine Frage: Wie konnte ich es über 20 Jahre mit dieser Ausgeburt an Intelligenzmagersucht aushalten?   
Ja, ich weiss, ich hätte nicht mehr antworten zu brauchen/müssen, aber es war mir ein inneres Bedürfnis:

Wir gehen uns nichts mehr an. Das ist absolut richtig. Aber wir haben gemeinsame Kinder und ob es dir passt oder nicht: Damit sie den rest nocht gut "groß" werden ist es für sie wichtig, dass auch du nicht nur "wenn sie Bock haben" für sie da bist und Interesse zeigst. Gerade auch dann, wenn es schwierig ist. Und es ist schwierig! Glaubst du, sie haben manchmal "Bock" auf mich? 
Ich muss trotzdem am Ball bleiben!
Eine Grundsatzdiskussion mit dir ist erfolglos und ich könnte mich ebensogut mit meiner Wand unterhalten. Ich wollte lediglich klarstellen, dass ich an besagtem Wochenende verreist bin und du verantwortlich bist. Kann auch nur in deinem Interesse sein, dass ich erziehungstechnisch weiter "durchhalte" und du dich weiterhin aus der Verantwortung ziehen kannst. Im Übrigen interessiert mich dein Privatleben einen flüchtigen Pups und ich bereue trotz Stress nie den Weg, den ich gegangen bin.

Es kam nichts mehr zurück. Die Hirnhupe hat mich blockiert. Leider nur bei Whatsapp.
So konnte ich immerhin noch per SMS hinterherjagen:

Wenn du meinst, dass du dich durch kindisches/feiges Blockieren aus der Verantwortung ziehen kannst, muss ich dich enttäuschen. Ich habe die Tage einen Termin beim Jugendamt.

Ich habe keinen Termin, aber ich wollte dem Idioten einen Schreck einjagen. Die Kinder finden ihren Vater sowieso nur noch lächerlich und doof.
Ich schaff den Rest auch allein, aber kann ja nicht schaden, dass ich ihm sein beschauliches Leben ab und zu etwas ungemütlich mache.

Ja. Genau. Finde ich super. Gell.

Seine Antwort.
Ich habe schon angsteinflößende Visionen, dass der bei mir auf der Demenzstation landet.
Spätestens bis dahin brauch ich nen anderen Job. ;-)

2 Kommentare:

  1. Same here. "Vater" spricht wochenlang nicht mit dem eigenen Sohn, weil Vater sich alleingelassen fühlt. Weil Sohn, 19, nicht von sich aus kommt und fragt, ob er den Vater, gesund, nix Gebrechen und so, vielleicht bei irgendwas unterstützen könnte. Weil Sohn angeblich nur zu ihm kommt, wenn er was braucht. Weil Sohn, 19, was mit eigenen Leuten plant und dann eben auch mal keine Zeit hat, wenn der Vater signalisiert "Morgen wird gegrillt, du kommst doch auch?" Und dann kracht es, weil Sohn, 19, Manns genug ist, dem Vater kontra zu geben: "Ich lebe seit einem Jahr mit meinem Bruder alleine, hast du mich auch nur ein einziges Mal gefragt, ob und wie wir zurechtkommen? Oder ob wir irgendwas brauchen oder so? Von dir hören wir auch nur, wenn du was brauchst. Wann habe ich je um auch nur irgendwas gebeten? Wann habe ich je was von dir bekommen?" Da war ich wirklich stolz auf Junior II.
    Zu Deinem letzten Absatz: Gibts da nicht so ne Postkarte? "Sei nett zu mir, ich könnte eines Tages deine Nachtschwester sein." Späte Rache ist auch süß :)

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  2. Ohne Worte, Helma....
    Wirklich, ohne Worte.

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