Dienstag, 12. Mai 2015

Aus dem Verkehr gezogen

Gestern Morgen wachte ich mit Fieber, Gliederschmerzen und dem wohlbekannten Gefühl "nicht mehr zu können" auf.
Das bahnte sich schon wochenlang an und ich kenne die Zeichen: Heulen wegen jeder Kleinigkeit, nur noch schwarz sehen, keinerlei Energie mehr.... rien ne va plus.

Ein Arztbesuch hat mich auch ziemlich aufgerüttelt. Mein Hausarzt sieht mich mindestens zweimal wöchentlich auf der Arbeit, da er dort einige Bewohner betreut.
Er kennt die Arbeitssituation und zog mich vorerst mal für eine Woche aus dem Verkehr "solange ich noch Kraft habe mir Gedanken um eine berufliche Veränderung zu machen."
Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Mich noch verteidigen und erklären zu müssen, ginge eindeutig über meine Kraft.

Und jetzt sitze ich hier und merke, dass ich es kaum mit mir aushalte. Bewusst lasse ich Radio/Fernsehen/Internet links liegen und sehne mich einfach nur noch nach Ruhe.
Einiges muss sich ändern, damit ich wieder Lebensfreude spüre.
Ich muss MICH wieder spüren. Und das nicht im Zusammenhang, indem ich auf andere eingehe und mehr oder weniger Rückmeldung bekomme.
Ich muss mich um MICH kümmern!
Es ist für mich erschreckend, was aus mir geworden ist. Nix mehr kämpferische, energiegeladene und neugierige Lilly, die zu neuen Ufern aufbricht.
Ich fühle mich ausgebrannt, leer, grau, farblos und alt. Und so sehe ich auch aus.

Viel zu lange habe ich Dinge geschluckt, weil ich die starke Powerfrau sein wollte, weil ich es allen zeigen wollte, dass ich autonom und mutig bin.
Am meisten wollte ich es aber mir selbst beweisen.
Und das ist die härteste Erkenntnis: Ich kann mich nur akzeptieren, wenn ich stark bin und über alles die Kontrolle habe.

Noch 5 Tage zum intensiven Nachdenken und mich Aushalten... 

15 Kommentare:

  1. Pass auf Dich auf!! Vielleicht erstmal drei Tage komplett abschalten und die Seele pflegen. Dann kannst Du immer noch nachdenken.
    Aber ich glaube Du hast Dich doch bereits entschieden und musst nur noch das "wie" des "nur weg da" klaeren.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Genau.
      Und da ich schon im fortgeschrittenen Alter bin finde ich halt auch nicht gerade Jobs wie Sand am Meer.

      Löschen
  2. Erhol Dich und gute Besserung - umärmel

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Lily!
    Oft lässt man sich zu lange gängeln und verpaßt den "Absprung" befor man in die Lethargie hinabrutscht... (ich muß ja noch, ich kann doch nicht usw...)
    Aber irgendwann musst du die Notbremse ziehen... Nutz die Chance wieder DU zu werden! Deine Entscheidungen zu treffen! Du schaffts das, auch wenn du gerade keine Kraft verspürst...
    Danach wirst du sogar noch stärker daraus hervor gehen...
    Fühle dich unbekannterweise gedrückt und geherzt!
    Eine bislang stille Leserin :-)
    MoselMeg

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für deine lieben Worte.
      Ja, es muss sich was ändern und die ersten Schritte sind getan...auch, wenn sie momentan noch fruchtlos sind; ich hab ein bisschen das Gefühl wieder etwas selbst in der Hand zu haben.

      Löschen
  4. Liebe Susanne,
    oh wie ich das kenne. Ich bin ja auch die letzten Jahre durch mein/unser Leben geheizt. Hatte das Gefühl, nichts kann mich umhauen, ich hatte manchmal Angst vor mir selbst. Ich bin auch verdammt stolz auf das, was ich ohne Mann/Vater der Kinder auf die Beine gestellt hab. Hab mich gefragt, wie ich das nur geschafft hab alles.
    Ich bin mir sicher, daß ich ohne meine Auszeiten schon längst umgefallen wäre. Meine langen Reisen (3 Wochen Südamerika in 2013 und 14 Tage Südafrika in 2014) plus Zeit alleine nur für mich, und sei es nur ein Vormittag im Bett verlümmelt, sind mein Rezept. Egal wie, wir Mütter brauchen einen Rückzugsort.
    Ich ziehe noch sehr viel positive Energie aus meinem Job. Für mich auch ein Standbein für meine gute Verfassung.
    Dennoch. ...ich musste lernen, mich nicht verheizen zu lassen. Weder von Psychoexmännern noch von den Kids noch vom Job noch vom Haushalt. Gut, den Haushalt links liegen zu lassen fiel mir nie schwer, hahaha :)
    Meine wichtigste Entwicklung in dieser Beziehung ist zweifellos das "Nein sagen lernen ". Ohne schlechtes Gewissen. Und dass ich zwischendurch Oasen brauche. Wie die gestaltet sind, muss man selbst rausfinden. Und sich trauen, neue Wege einzuschlagen! Denn die braucht es immer wieder.
    Nicht nur 1-2x im Leben. ..und ich hab mich verabschiedet von dem Gedanken "endlich angekommen zu sein". Wenn ich diesen Satz anwenden möchte, dann nur auf mich bezogen. Bei mir angekommen sein. Mit mir gehe ich im Zickzack durchs Leben.
    Die Veränderung ist die einzige Kontinuität im Leben!
    Ich habe daraus unheimlich viel Kraft geschöpft, aus dem Mut die Veränderungen selbst einzuleiten und zuzulassen.
    Ich drück Dich!!! Hang loose!!!
    Eva

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Eva, wir müssen uns unbedingt mal sehen!

      Absolut alles klasse was du schreibst!

      Löschen
  5. Ps. Niemals vergessen -natürlich - wir sind alle nur Menschen. ..wir können nicht dauerhaft stark und autonom sein....und trotz aller Power die Du hast/hattest, sind auch genau diese Momente so wichtig. Die Notbremsen. Das Nicht-mehr-können. Gerade wenn wir viel geben...und Du hast auch noch so einen Job....ist das Konto einfach irgendwie mal alle. Also gräme Dich nicht, wenn Du jetzt mal nicht mehr kannst. Dann lieg halt im Bett und heule. Oder starre aus dem Fenster. Oder sitz auf dem Sofa und starre Löcher in die Luft. Das ist überhaupt nicht schlimm!

    AntwortenLöschen
  6. Wie gut ich das kenne...

    Zuerst einmal: ruh dich aus, komm zu dir. Höre auf deinen Körper und auf die Anzeichen. Toll, dass der Arzt dich von sich aus raus genommen hat, bevor es zu spät wird. Geh mit dir um wie du mit einer guten Freundin umgehen würdest, die in deiner Situation steckt. Mit der wärst du ja auch nicht streng.

    Wichtig ist danach, dass du dir dein Ziel ganz konkret ausformulierst. Was willst du? Einfach nur da raus? Einen bestimmten Job woanders?
    Das ist Schritt eins.
    Schritt zwei ist dann, dir einen Plan zu machen. Setze dir feste Termine für Bewerbungen, Kündigung etc, das hilft nicht nur, es auch zu machen. Du kannst dir außerdem vergegenwärtigen, dass der jetzige Zustand zeitlich begrenzt ist. Du kommst da bald raus. Es hat ein Ende und du sitzt nicht für immer in der Situation fest.

    Und vor allem: du musst da nicht alleine durch. Vertraue dich jemandem an. Einer Freundin, einem Verwandten, der Seelsorge oder wem auch immer. Friss das nicht in dich, bis du platzt. Es ist keine Schande, sich einzugestehen, dass es nicht mehr geht und das auch jemandem zu sagen. Stell dir einfach vor, eine Freundin käme zu dir mit diesen Problemen. Würdest du sie wegschicken und verurteilen, weil sie schwach ist ODER würdest du ihr helfen? Siehst du? ;)

    Liebe Grüße und alles Gute.

    (Und wenn du Hilfe brauchst,kannst du mich auch gern anschreiben. Ich kenne deinen Zustand nur zu gut.)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Habe dein Geschriebenes immer und immer wieder durchgelesen. Ja, ich muss mir zeitlich begrenzte Ziele setzen...in Bezug auf Bewerbungen usw. Sonst verläuft das im Sande oder im Alltagswahn. Und das Gefühl nicht nur Pläne geschmiedet, sondern aktiv etwas unternommen zu haben ist wichtig.

      Und ja, Kein Zustand dauert ewig;-)

      Ich danke dir!

      Löschen
  7. Wünsche dir Kraft und Zeit für dich um eine Entscheidung zu treffen. Lass dich nicht stressen und nimm dir notfalls nochmal 5 Tage wenn dir danach ist. Es bringt überhaupt nichts so "leer" was neues angefangen. Du musst stark und ausgeruht sein für einen Neuanfang. Dein jetziger Job hat dir die Kraft genommen. Dann soll dein jetziger Arbeitgeber gefälligst auch die "Wiederherstellung" deiner Kräfte zahlen. Keine Rücksicht nehmen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Eigentlich wahr....absolut.
      Ich pass auf mich auf.

      Löschen
  8. Hoffe die Woche hat dir gut getan. Ich kann mich den anderen nur anschliessen: oftmals muss man die Erwartungen an sich selber ueberdenken. Und Hilfe anfragen und annehmen. Und mit sich selber nicht so hart ins Gericht gehen.
    Und die ersten Schritte hast du ja nun schon gemacht. Fuer die naechsten wuensche ich dir viel Kraft und alles Gute!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Woche tat gut, aber neuer Ärger folgte auf dem Fuß...siehe neues Posting....

      Ich danke dir!

      Löschen