Sonntag, 10. Mai 2015

Gedanken zum Muttertag

Heute ist Muttertag.
Für mich ein Tag wie jeder andere auch. Ich bin aufgestanden und das dreckige Geschirr mit mumifiziertem Cornflakesinhalt hat sich wie üblich auf dem Spültisch gestapelt, der Wäschekorb mit der zusammengefalteten Wäsche, welchen ich "zum mit Hochnehmen" auf die unterste Stufe der Treppe gestellt habe, steht immer noch da und die Erdbeeren, welche ich heute für die Erdbeer-Balsamico-Geschmacksorgie verwenden wollte sind weggefuttert. Tochter liegt gechillt smartphonetippend auf dem Sofa und genießt inmitten vom Wohnzimmerchaos den Morgen.
Alles wie immer also.

Dass Muttertag ist, erfahre ich erst, als ich mich bei Facebook einlogge.
Da blinken sie, die Glitzerherzchen und die Kitschbärchen. Geflasht von soviel theatralischem Überfluss logge ich mich verwirrt wieder aus - und finde mich wieder im Gefühlschaos.
Der Tränencocktail aus Wut, Traurigkeit, Erschöpfung und Verzweiflung lassen meinen Blick verschwimmen - und ich bin ganz bei mir.

Es war eine verdammt harte Woche, eine richtige Scheisswoche, um ehrlich zu sein. Ich fühle mich kraftlos und weiss, dass ich etwas ändern muss um nicht zusammenzuklappen. Neuen Job suchen, Bewerbungen schreiben. Genau das kostet Kraft und die habe ich nicht. Teufelskreis.

Muttertag.
Es ist verdammter Muttertag und ich ertrage die ganzen schwülstigen Muttertagsgrüße, die meine Facebook"freundinnen" bekommen haben nicht; ich fühle mich ausgeschlossen. Verletzbar.
Und allein.

Der Vater der Kinder hat sich nach seinem Kurzpflichtbesuch auf der Konfirmation nicht mehr gemeldet. Bei mir nicht und inzwischen nicht einmal mehr bei seinen Kindern.
Kein Interesse mehr an ihrem Leben und ihrem Werdegang.
Es kam nur vor zwei Wochen die Anweisung an seine Tochter, sie möge ihm doch bitte das Konfirmationsportrait vergrößern und ihm zukommen lassen, damit er es sich über das Sofa hängen kann. Hübsche Vorzeigetochter. Ein kleiner Ausschnitt aus ihrem Leben. Ein Bruchteil dessen, was gerade in ihrem Leben passiert, an dem er nicht mehr teilnehmen will.

Die wichtige Bausparversicherungspost (offensichtlich hat er den Vertrag fast zwei Jahre nach der Scheidung immer noch nicht gekündigt) liegt immer noch hier zum Abholen bereit.
Da es auch an mich adressiert war, habe ich sie geöffnet. Mahnung. Der Bezugsberechtigte, also er, soll sich binnen Frist von einer Woche melden, da sonst straftrechtliche Folgen angedroht werden.
Die Frist ist verstrichen, die Post samt den Konfirmationsdankeskarten an seine liebe Verwandtschaft liegt immer noch hier. Trotz meiner Benachrichtigung an ihn.

Gestern dann eine Nachricht per Whatsapp an mich:
"Ich komme nachher vorbei und hole die wichtige Post"
"Keiner da. Bin arbeiten. Rebell ist bei seiner Freundin und Tochter bei ihrem Freund."

Das musste sein. Tochter ist bei ihrem Freund. 
Ich konnte förmlich spüren wie ihn das verwirrt und ich fühlte so etwas wie Genugtuung. Sein Herzblatt hat einen Freund. Wenn er Kontakt zu ihr halten würde, hätte sie es ihm erzählt.
Da bin ich mir ganz sicher.

Nach langer Pause: 
"Ok. Lege die Post in deinen Briefkasten. Ich hole sie nachher ab."
"Siehe oben ....ich bin arbeiten."
"Ok".

Es ist Muttertag and I give a fuck auf Rosensträuße und Glitzerherzchen.

Liebe Väter, bitte habt genug Arsch in der Hose euch auch nach einer Trennung um eure Kinder zu kümmern, Interesse zu zeigen und an ihnen dran zu bleiben.
Straft eure Kinder nicht, indem ihr euern verletzten Stolz auf sie projiziert.
Sie sind eure Kinder und werden sie immer sein und sie haben ein Recht auf Euch!

...Und das Recht besteht nicht nur darin, dekorativ eingerahmt bei Euch über dem Sofa zu hängen.

Happy Mothersday, Gemeinde!


5 Kommentare:

  1. Und weißt du was?

    Das würde ich am liebsten MEINEM Vater sagen.

    Genau das!
    Dass man seine Kinder nicht dafür strafen soll, dass es zwischen den Eltern nicht geklappt hat...

    Ich mag diese schwülstigen Worte auch nicht, aber über die Geschenke meiner SÜßen habe ich mich ganz furchtbar gefreut!
    Schade, dass das dann wohl irgendwann mal nachlässt...
    Um so mehr genieße ich es jetzt...

    Und Kopf hoch Süße!
    Es kommen auch wieder bessere Zeiten.

    Ich kann dir so gut nachfühlen.
    Ich hätte auch gerne einen neuen Job und bekomme nichts auf die Rille.
    Irgendwie scheinen unsere Leben parallel zu verlaufen.

    Halt die Ohren steif!

    Unsere Zeit wird kommen!
    For sure!

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    1. Vater? Was ist das?
      Ich hatte gerade die Eingebung, warum mich das Ganze so belastet: Mein Vater war auch nie präsent und zeigte kein Interesse und mit meiner Tochter durchlebe ich diese ganzen besch.... Gefühle noch mal.

      Zu den schwülstigen Worten: Meine Brut hat mich mit Orchideen beschenkt und ich bekam eine supersüße selbstgebastelte Karte von meiner Tochter - und ich hab mich riesig gefreut.
      Ich meinte damit, dass ich heroenhafte "Ach, es ist so wunderbar Mutter zu sein"- Getue in diesem Ausmaß absolut hasse.
      Natürlich liebe ich meine Kinder und ich bin froh, dass sie geboren sind, aber manchmal, verdammtnochmal, rauben sie mir die letzte Kraft und ich würde sie am liebsten in die Wüste verbannen. Bin ich deshalb ne Rabenmutter?
      Ein bisschen mehr Ehrlichkeit würde allen Müttern gut tun, denn dann würde dieses sich-selbst-unter-Druck-setzen auch nachlassen.

      Ja, ich sehe auch viele Parallelen zwischen uns. Ich hoffe, du konntest dich an der See etwas erholen und Kraft tanken. Kraft, die wahrscheinlich viel zu schnell wieder aufgebraucht ist...

      Momentan bin ich erst mal vom Arzt "aus dem Verkehr gezogen" und hab viel Zeit zum Nachdenken wie es weitergeht.

      Einen ganz lieben Gruß an dich!

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  2. Hm.
    Mich wundert ein bisschen, dass Du so "abgehst" wegen des Fotos und der Bausparformulare.
    Also soooo furchtbar finde ich diese "Vergehen" diesmal nicht.
    Ist es nicht eher so, dass du "in echt" stocksauer auf die Tochter bist, die den Muttertag kommentar- und tatenlos vorbeiziehen lässt, und das, obwohl Du dir 24/7 und alleinerziehend für sie den Arsch aufreißt?
    Pssst: man darf auch sauer auf Kinder sein ;-)

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    1. Ich gehe gerade grundsätzlich ab...Das ist es ja, was mich so verwundert.
      In der Tat kann mir sein Bausparvertrag egal sein...ist er auch, aber das ganze zieht einen Rattenschwanz nach sich: Er behauptet tausende Euronen Schulden zu haben und meinte zu den Kindern, dass er sie erst wieder zum Essen einladen kann, wenn er wieder Geld hat.
      Wie bescheuert ist das denn? Er muss die Kinder nicht in`s Restaurant einladen; sie mögen auch seine selbstgemachte Tomatensoße - und die kostet kein Vermögen.
      Der Depp ist einfach ein rotes Tuch für mich, weil er sämtliche Verantwortung von sich schiebt und bei den Kindern nur rumjammert.

      Nee, Tochter hat den Muttertag nicht kommentarlos vorbeigehen lassen. Das muss falsch rübergekommen sein.
      Bekam einen ganz herzzerreissenden Brief von ihr - und..tataaaa....sie hat doch tatsächlich das Wohnzimmer aufgeräumt.

      Und klar darf man sauer auf die Kinder sein; die bringen einen auch oft um den Verstand ;-)

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    2. Ah, ok, nu hab ich's :-)
      Klar, die vielen kleinen und großen Beklopptheiten läppern sich und dann kracht's in Serie. Kenn ich.
      Und Dein Ex ist echt die Pest...

      A propos Pest: gute Besserung :-))

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